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Full text of "Erläuterungstafeln zur vergleichenden Anatomie"

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ERLÄUTERUNGSTAFELN 

ZUR 

V IIU.; I,i:i( || i:\ IM: Y ANATOMIE. 

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CARL OI7STAV C ARITS 

UND 

ADOLPH U 11,11 ELH OTTO. 



HEFT IV. 









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OP 

COMPARATIYE ZOÖLOGY, 

AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS. 
JFounüeS bj jmbate suftsctfptfon, tn 1861. 

From the Library of LOUIS AGASSIZ. 
No. 6^^? 



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ERLÄUTERUNGSTAFELN 



ZUR 



VERGLEICHENDEN ANATOMIE. 



VON 



D R . CARL GUSTAV CARUS 



Hof- und Medichial-Rath, auch Sr. Majestät des Königs von Sachsen Leibarzt und Ritter des Königl. Sachs. Civilverdienst - Ordens , mehrerer Akademien und gelehrten 

Gesellschaften Mitgliede. 



IN VERBINDUNG 



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D R . ADOLPH WILHELM OTTO, 

Königl. Medicinalrathe im Medicinalcollegium für Schlesien und des rothen Adlerordens Ritter , ordentlichem Professor der Medicin an der Universität und der medicüüsch - chirurgi- 
schen Lehranstalt zu Breslau , Director des Königl. anatom. Instituts , und Mitgliede mehrerer Akademien und gelehrten Gesellschaften. 



HEFT IV. 




enthaltend auf IX Kupfertafeln die Erläuterung der Verdauungs-Organe in den 

verschiedenen Thierklassen. 



LEIPZIG BEI JOH. AMBR. BARTH 1835. 



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HARVARD UNIVERSITY 
CAMBRIDGE. M4 ! )SA 



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Indem ich gegenwärtig das vierte Heft dieser bisher wohlwollend aufgenommenen Tafeln den Freun- 
den vergleichender Anatomie übergebe und empfehle, hoffe ich für die durch mancherlei Umstände herbei- 
geführte Verzögerung in der Erscheinung desselben um so eher Nachsicht zu finden, da ich ihm die Anzeige 
beifügen darf, dass durch die von nun an mir bei der Vollendung dieses Unternehmens zu Theil werdende 
Mitwirkung und Unterstützung meines gelehrten und geehrten Freundes Otto immer zunehmende Reichhal- 
tigkeit und raschere Folge dieser Hefte versprochen werden kann. — Die trefflichen Beiträge desselben bil- 
den schon die Hälfte gegenwärtigen Heftes. Man wird jedesmal unseren beiderseitigen Antheil durch die 
beigefugte Namens - Unterschrift bezeichnet finden. 

DR. CARUS. 




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zur Lehre von der Entwicklungsgeschichte der Formen des 

Verdauungskanals. 



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1) Das TMer als Theil des mütterlichen Körpers, als Ei entstehend, zeigt in der Höhle dieser sei- 
ner Urform einen von jenem Körper ihm mitgegebenen Vorrath von Eistoff, welcher mit dem Namen des 
Dotters bezeichnet wird. 

2) Dieser Dotter ist erster Bildungsstoff zu der in seiner Umhüllung durch weitere Differenzirung 
und Faltung hervortretenden Fortbildung des Eies und Entwicklung eigentlicher Thiergestalt — also erste 
Nahrung. 

3) Die Höhle, welche diesen Dotter einschliesst , kann also mit Recht erste Nahrungshöhle Ver- 
dauungshöhle (da durch ihre Wand die Dottersubstanz assimilirt, verdaut wird) — ursprüngliche Magen- 
höhle genannt werden. 

4) Schon aus diesem Grunde müssen sich bei der weitern Differenzirung der sich bildenden Thier- 
gestalt die Gebilde zur Aufnahme der Nahrungsstoffe (wie es auch die Entwicklungsgeschichte nachweist) 
aus dieser Urmagenhöhle entwickeln (worüber denn bereits im Sten Hefte dieser Erläuterungstafeln Meli- 
res beigebracht ist). 

Anmerkung. Wenn das junge Thier mittels Theilung oder Sprossung aus dem mütterlichen Thiere entsteht, so schnürt sich 
ein Theil der Verdauungshöhle des letzteren mit ab, um sich dann zur Verdauungshöhle des Jungen auszubilden. 

5) Die weitere Gliederung des Verdauungskanals aus der Urmagenhöhle hängt ab von dem Grade 
der Gliederung, welchen der Thierleib überhaupt erfährt, je mannichfaltiger die letztere, um so mannich- 
faltiger auch die erstere. 

6) Die vollkommene Gliederung des Thierleibes ist aber folgende : 

ß Kopf. . c Rumpf. 

a Nasengegend, b Augengegend, c Ohrgegend. « Brust, b Bauch, c Becken. 

Dieser Gliederung angemessen ist die vollkommene Gliederung des Darmkanals: 

ß als Kopftheil. u als Rumpftheil. 



c Dickdarm. 
a Blinddarm, ß Colon. 



a Mundhöhle, b Rachenhöhle, c Schlundkopf. a Speiseröhre, b eigentliche Dauungshöhle. c Afterdarm. 

Die eigentliche Dauungshöhle aber als die Stelle, welche allemal aus der Urmagenhöhle zuerst hervor- 
geht, theilt sich abermals und zwar mehrfältig bis zur dreifachen Durchbildung ihrer Gegensätze fol- 
gendermaassen: 

eigentliche Dauungshöhle. 
a Magen. 6 Dünndarm. 

a Portio cardiaca. ß Leerdarm. 

ß Portio pylorica. 

cc Zwölffingerdarm, y Krummdarm. 
Und selbst von diesen Gliederungen sind die des Magens und Dickdarms noch weiterer Theilungen fällig 
indem sich hier mannichf altige Erweiterungen und Anhänge bilden. 

7) Die Bedeutung dieser verschiedenen Gegenden des Verdauungskanals muss natürlich überall nach 
den Gegensätzen , welche in jeder organischen Fortbildung und Ernährung sich aussprechen , bestimmt 
werden. Diese Gegensätze sind zuhöchst aber im bildenden Leben Verdauung und Athmung, und sie wie- 
derholen sich in der Sphäre der Verdauung selbst als Einsaugung und Ausscheidung. Die Aufnahme orga- 
nischer Stoffe setzt indess voraus, dass die eigene Selbstständigkeit derselben vernichtet, ihr besonderes Le- 
ben ertodtet sey und so erlangt die Ausscheidung, welche an und für sich schon im Gegensatze der Aufnah- 
me gefordert wird, noch die besondere Bedeutung, die Ertödtung des Individuellen, die Vergiftung der 
zur Nahrung gewählten Körper zu vermitteln, eine Function, mit welcher sich dann gern die Hülfsmittel 
IV. 1 




für mechanische Verkleinerung durch Zermalmung und Kauung vereinigen. Beiderlei Organe müssen sich, 
angemessen ihrer Bedeutung, sonach wesentlich am Eingange des Verdauungskanales entwickeln, und, ist 
überhaupt ein Kopftheil desselben ausgebildet, so müssen sie diesem namentlich anheim fallen. 

8) Der Gegensatz von Aufnahme und Ausscheidung wiederholt sich nun mehrfältig nach der Glie- 
derung der Gegenden des Darmkanals selbst. Im Rumpftheil ist die Speiseröhre im Ganzen aufnehmend, 
der After davon im Ganzen, und oft noch insbesondere durch eigene Absonderungsorgane, ausscheidend, 
während der Sitz eigentlicher Assimilation die wahre Dauungshöhle ist. Jedoch auch hier treten jene Ge- 
gensätze abermals hervor; der Magen ist vorzugsweise aufnehmend, der Dickdarm ausscheidend, während 
die zwischen beiden die Mitte haltende Assimilation am stärksten im Dünndarm von Statten geht. Ist ein 
Kopftheil* des Dauungsapparatcs entwickelt, so ist dieser namentlich aufnehmend für den Rumpftheil, aber 
selbst in ihm wiederholt sich der Gegensatz zwischen Aufnahme im Mundlheil und Ausscheidung im 
Schlundkopftheil. 

9) Wie viel oder wie wenig übrigens von den hier angegebenen Gliedern des Verdauungskanales zur 
wirklichen Darbildung kommt, hängt ab von der Stufe, welche die Entwicklung des Organismus im Allge- 
meinen erreicht, und es wird hierdurch zugleich seine Combinalion mit andern Systemen, namentlich mit 
den Athmungsorganen bedingt, welche letztern sich den ausscheidenden Seiten des Dauungskanals gern an- 
schliessen und deshalb gewöhnlich entweder am Anfange desselben neben den vergiftenden und einspei- 
chelnden Organen oder neben dem Afterdarm entwickeln. 

10) Das Thier fängt an als Eithier und erscheint späterhin erst in grösster Mannichfaltigkeit als Rumpf- 
Ihier, bevor es Kopfthier wird, und so beginnt auch die Bildung der Verdauungswerkzeuge, mit der einfachen 
oder in mehrere Recessus getheilten wesentlichen Verdauungshöhle, und gliedert sich erst in Speiseröhre, 
Dauungshöhle und Afterdarm, ehe auch die Kopftheile, Schlund, Rachenhöhle und Mundhöhle sich hin- 
zugesellen. 

Anmerkung. So kann man z. B. den äussern Mund der Polypen und Pelecypoden nur als freiliegenden Magenmund betrachten, 
während in den höhern Weichthieren und den meisten Gliederthieren die Speiseröhre noch hinzutritt und das, was man gewöhn- 
lich als Mundhöhle ansieht, nichts ist als ein, gewöhnlich mit Eingeweide - Gliedmaassen (Schlundzähnen) oder Gliedmaassen-rudimen- 
ten (Kiefern) bewaffneter Schlundkopf. 

11) So wie nun die Assimilation nach den verschiedenen Stellen des Dauungskanals bald stärker, 
bald schwächer hervortritt, so zeigt auch die Ausscheidung sehr verschiedene Formen, je nachdem sie 
aul die irischaufgenommenen Stoffe wirken (Speichel, Gift), oder in die bereits den wahren Dauungskanal 
übergebenen Stoffe einwirken (Galle, Bauchspeichel), oder endlich mit den Verdauungsüberresten sich ent- 
leeren (Afterdrüsen -Absonderung, oft abermals giftig). Desgleichen wiederholen sich auch die Mittel der 
Zermalmung in den verschiedenen Gegenden und erscheinen bald als Kiefer-, Schlund- Magenbewaffnung, 
oder sie wiederholen sich noch als kieferartige Waffen (Stacheln) am Darmende, um auf fremde Organis- 
men zu wirken und sich dieselben zu unterwerfen. 

12) Wie ursprünglich das Ei (Dotter) das Thier ist und Darmhöhle und Thierleibeshöhlc darin zusam- 
menfallen, so muss, wenn sich ein besonderer Dauungskanal vom Thicrleibe absondert, auch in dem Baue 
und der Wandung des Darmkanals die Schichtung der Thierwandung und der Dotterhaut selbst, aus welcher 
sich jene entwickelt, sich wiederholen. Die Dotterwand theilt sich aber in drei Blätter, das innere Schleim- 
blatt (Darm), das mittlere Blatt (des Gefässsystems) und das äussere Blatt (des Nerven-, Skelet-, Muskel - 
uncl Hautsystems). Aehnlich dieser Theilung nun, welche, wie man sieht, die Schichtung des Thierlci- 
bes selbst andeutet, muss der vollkommen entwickelte Darm sich verhalten, und so unterscheidet man in 
demselben Schleimhaut, Gefässhaut und Muskelhaut (über die Richtung und Bedeutung dieser Muskel- 
fibern s. m. Einleitung zum ersten Heft), welche mit äusserer Haut (Bauchfell) überzogen ist. Besonders 
merkwürdig aber ist, dass, wie aus dem äussern Dotterhautblalt sich im höhern Thier das Nervenskelet 
entwickelt, so aus der innern Darms chleimhaut das Eingewcidskelet (worüber man das 2. Heft dieser Ta- 
feln nachsehe) hervorgeht, um eben jene erwähnten Zermalmungsorgane als Kiefer-, Schlund- und Magen- 
zähne zu begründen; Organe, welche, wenn sie nicht zur Ausbildung kommen, oftmals durch aufgenom- 
mene grössere oder kleinere Steine instmktmässig ersetzt werden. 

13) Wie zunächst das Schleimblatt, der Dotter, von der Dottcrkugel durch Faltung den Darm abson- 
dert und somit zugleich seine Innenfläche vergrössert, so vergrössert sich auch die Innenfläche des Darmes 
wieder durch Faltung der mannichfalligstcn Art zu blattförmigen Falten, sich kreuzenden Falten (Zellen bil- 
dend), getheilten Fallen (Zotten); und oftmals steht deshalb die Länge des Darms und die Faltung seiner 
Innenfläche im umgekehrten Verhältnisse. 

14) Da der Dauungskanal aus der geschlossenen Hohlkugel des Dotters sich durch Faltung hervor- 
bildet, so ist er selbst ursprünglich geschlossen zu denken (nur hierdurch erklären sich die oftmals vor- 
kommenden abnormen Atresien eines oder beider Enden desselben), und seine Oeffnungen entstehen durch 
eine Dehiscenz. Eben deshalb finden wir nicht selten den Darm nur einseilig geöffnet (so bei Akti- 
nien), eben so wie deshalb auch mehr als zwei Oeffnungen desselben (wie bei den Rhizostomen) mög- 
lich sind. 



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5 — 

15) Der ursprüngliche Inhalt der Dotterkugel, welcher die erste Nahrung des werdenden Thieres 
ist, erscheint als reiner Eistoff und ist folglich ur- animalische Nahrung. Es ist eine nothwendige Folge, 
dass der weiter gegliederte Dauungskanal um so mehr an die Einfachheit der Urform erinnert, je mehr er 
der Aufnahme rein animaler Stoffe, vermöge der Stellung des ganzen Thieres in der Thierreihe, fort- 
während bestimmt bleibt, und um so mannichfaltiger sich gliedert, je weiter auch der aufzunehmende 
Nahrungsstoff von der Einfachheit des Eistoffes abweicht und der Pflanzenkost zugetheilt wird. Von hier 
aus also ist es erst eigentlich zu begreifen, warum in der Regel bei pflanzenfressenden Thieren der Ver- 
dauungskanal länger, mehrfach gegliedert und überdiess auf seiner Innenfläche weit mehr gefaltet ist als 
bei Fleischfressern, bei welchen die Annäherung an die erste ursprünglich einfache Nahrungshöhle viel deut- 
licher erscheint. 



Dazu nun, um, wie in den verschiedenen Klassen der Thiere die Formen des Nahrung verarbeitenden 
Kanales sich mannichfallig umgestalten, eine vergleichende Uebersicht zu geben, sind die nachfolgenden 
neun Tafeln bestimmt. 



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1 * 



Erklärung 

der 

einzelnen Tafeln. 



Erste Tafel. 



Sie ist bestimmt , die Formen der Nahrungshöhle in der Klasse der Eithiere zu zeigen , als in welcher 
die merkwürdigsten Combinationen vorkommen , indem sich auf ihren untersten Stufen häufig Massen von 
immerfort zu einer Einheit verbundenen Individuen finden; — und wie denn alle Bildung, je näher ihrer er- 
sten Entstehung, sich mehr ins Schwankende und Ungewisse verliert, so wird es dann auch hier oft zwei- 
felhaft, welche Höhle als eigentliche Nahrungshöhle (Magen) zu betrachten seyn könnte. — Am meisten ist 
dies der Fall in den noch zwischen Pflanzen- und Thiernatur schwebenden Geschöpfen, welche ich bereits 
in d. Einleitung zur 2. Ausg. meiner vergleichenden Zootomie in ein eigenes Zwischenreich (Protorganis- 
men) zu vereingen gerathen habe. — Aus diesen ist Fig. I — IV die Zitterkugel, Volvox, so wie aus den 
Polypen eine Seefeder (Teretillum cynomorium) Fig. XII — XX dargestellt. — Die weitere Entwicklung eines 
deutlichen Darmkanals aus unbestimmbar zelligen Höhlen in den Infusorien zeigen dann bei Monas , Enchelys, 
Leucophrys, Hydat ina die Fig. V — X. — Endlich aber werden Beispiele einer nur einfach geöffneten kugligen 
Verdauungshöhle (bei Astevias) und eines weiter entwickelten gestreckten und doppeltgeöffneten Darmkanals 
(bei Iloloihuria und Echinus) aus den höhern Eitlüeren gegeben. 



Erklärung der einzelnen Figuren. 



Fig. 1— IV. 

Mikroskopisch vergrößerte Darstellungen des Kugelthiers 
oder der Zitterkugel, Volvox globator, eines der merkwürdig- 
sten und lehrreichsten Geschöpfe eben wegen seiner vollkommnen 
Indifferenz zwischen Pflanzen - und Thiernatur. Das Ganze ist 
eine zarthäutige, reinsphärische, ringsum geschlossene Blase, Fig. II, 
von J^ — i Linie Durchmesser, mit in bestimmter Richtung oscil- 
lir enden, nur bei stärkster Vergrösserung sichtbar werdenden Här- 
chen (Fig. I B. d und Fig. IV) besetzt und eine grosse Menge 
rundlich grüner Körperchen in ihrer Wandung enthaltend, welche 
(worauf Ehrenberg zuerst aufmerksam gemacht hat) durch netz- 
förmige Gefässe (?) verbunden sind. An der Innenwand dieser 
Blase wachsen 6 — 8 ähnliche junge Blasen hervor, denen das 
Dichtzusammenstehen der grünen Körperchen ein gleichförmig grü- 
nes Ansehen giebt, und in welchen, wenn sie etwas mehr entwik- 
kelt sind, man bereits die dritte Generation deutlich unterscheidet, 
(s. Fig. III.). So wie die innern Kugeln wachsen, dehnt sich die 
äussere Hülle aus ; indem jedoch dabei die Zahl der grünen Körper- 
chen sich nicht vermehrt und dieselben immer weiter aus einander tre- 
ten, wird nun die Hülle immer dünner, bis sie endlich platzt und so 
die alsdann schon innerlich abgelösten Kugeln (wie eine Schote 
ihre Samen) austreten lässt (Fig. IV.). — Sind alle Kugeln aus- 
getreten, so schwimmt die Hülle noch einige Zeit umher, stirbt 
ab und löst sich auf. — Die Blase bewährt sich also als ein 
Ganzes : a) durch die Erzeugung der Brut , welche in regelmässi- 
gen Zahlenverhältnissen und gewöhnlich mehr in einer Kugelhälfte 
hervortritt; b) durch das regelmässige Oscilliren der ganzen Kugel- 



fläche, in Folge dessen ein Wirbel im Wasser entsteht, welcher die 
Kugel in der Richtung umgiebt, dass zwei ruhige Pole frei bleiben. 
Dieses merkwürdige , an die magnetischen Pole der Erde erin- 
nernde, Verhältniss bedingt hier die Dehiscenz und das Austre- 
ten der jungen Blasen, welche ihrer Seits dieselbe und zwar beim 
Austritt äusserst lebhafte Bewegung haben, so wie überhaupt von 
diesem Wirbel das ruhige Fortschwimmen der ganzen Zitterku- 
gel bedingt wird, welches in seiner Richtung insbesondere durch 
einfallendes Licht geleitet zu werden scheint *) ; — c) dritter 
Grund für die Einheit des Ganzen ist die netzförmige Verbindung 
jener grünen Körperchen durch zarte Linien, welche unter 1000 
maliger Vergrösserung bei Fig. I. B. b genau dargestellt sind 
und vollkommen als Gefässkanäle etwa gleich denen der Medusen 
erscheinen. — Offenbar ist nun die ganze Hülle des Volvox ein- 
saugend, denn die grossen Kugeln sind mit Wasser gefüllt, wel- 
ches in diesem Maasse noch nicht in ihnen seyn konnte, als sie 
klein waren, und dies Wasser konnte nur durch die äussere 
Hülle eindringen. Dies Einsaugen geschieht vielleicht durch die 
ganze äussere Haut (Fig. I B. e.) oder durch die Haare insbeson- 
dere — immer aber gewiss ganz pflanzenartig. Was nun die grü- 
nen Körperchen, in der Haut, betrifft, welche bald rundlicher, bald 
länglicher sich darstellen und einen oder mehrere dunkle Punkte 
enthalten (Fig. I. B. a. c), die denen gleichen, welche in den 



*) Ich sah diese sonderbaren Geschöpfe sich stets an den beschatteten 
Rand einer offuen am Fenster stehenden Schale ansetzen. 



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V- - 



von Bory St. Vinc. Lunulina und Ursmella genannten verwandten 
Wesen vorkommen , und eine rothe Färbung zu haben scheinen (wenn 
dies Roth überhaupt nicht bloss als physiologische Färbung zu betrach- 
ten ist), so fragt es sich, ob sie nicht gleichsam vorbereitende, die mit 
dem Wasser eingesogene organische Substanz mittelst der zu ihnen ge- 
hörigen Kanäle weiter verbreitende Organe sind? eine Ansicht, wel- 
che, wenn sie auch nicht mit Bestimmtheit zu behaupten ist, doch 
mindestens sehr wahrscheinlich genannt werden darf. — Es wäre 
dies also ein Beispiel eines, mindestens nach den gewöhnlichen An- 
sichten, noch unter die Thiere gerechneten Geschöpfs, welches 
weder Mund- noch AfteröfFnung, noch einen eigentlichen Darmka- 
nal darböte, und welches man mit eben dem Rechte für eine iso- 
lirte oscillirende kuglige, neue Zellen erzeugende Pflanzenzelle, als 
für eine frei entstehende, neue Blasen erzeugende Dotterblase halten 
könnte ; eine oscillirende Dotterblase mit Gefässen und drüsenartigen 
Organen in ihren Wänden , und aussen mit haarförmigen kiemenartigen 
Organen, den oscillirenden Fibrillen der Eier der Gorgonien, oder den 
einsaugenden Fäserchen auf dem Ei der Säugethiere vergleichbar, 
besetzt. Eine abweichende Ansicht hiervon hat der um mikroskopi- 
sche Anatomie so hochverdiente Ehrenberg aufgestellt *), indem 
er die grünen Körperchen in der äussern Hülle für einzelne nur mit 
allen übrigen genau verbundene Thiere hält, von denen einzelne 
durch immer weitere Theilung neue Kugeln hervorbrächten. (Ein 
sich" immer weiter theilendes Körperchen kann sich wohl zu einer 
Fläche ausdehnen, aber nie durch solches Fortwachsen eine Hohl- 
kugel bilden!) — Zugleich betrachtet er die roth erscheinenden 
Punkte in ihnen als Augen und hält die oscillirenden Härchen für 
die Rüssel dieser Thiere. — Hiegegen bemerke ich jedoch , 1) dass 
deutlich (s. Fig. I. B.) mehrere Punkte und von verschiedener Grösse 
in einem Körperchen bemerkt werden, welches nicht wohl mit ihrer 
Bedeutung als Augen stimmen möchte, 2) dass, den bestimmten 
Zusammenhang des oscillirenden Haars als eines Rüssels mit dem 
grünen Körperchen nachzuweisen, schwerlich gelingen möchte (meine 
genau nach dem Bilde des Mikroskops entworfene Zeichnung Fig. I. 
B. zeigt eine weit stärkere Vergrösserung als die von Ehrenberg 
a. a. O. gegebene, und dennoch sieht man keinen Zusammenhang 
beider Organe), 3) dass, wenn wir solche Organe für einzelne Thiere 
halten wollen, allerdings auch alle Saugarme eines Rhizostoma und 
alle Blutkörperchen, ja alle besondern Eingeweide für einzelne Thiere 
gehalten werden könnten, 4) und endlich, dass die obigen die Ein- 
heit der ganzen Blase bezeugenden Gründe dawider sprechen. — 
Uebrigens ist es auch ein Grund mehr, die völlige Indifferenz dieses 
Geschöpfs zu erweisen , dass man es mit einer gewissen Wahrschein- 
lichkeit bald so bald so deuten kann. So ist eben auch deshalb 
mit die Kugel als Urgestaltung schlechthin anzuerkennen, weil man 
sie, von jeder Seite betrachtet, immer in kreisförmigen Contour 
sieht. — Niemand hat indess den wahren Begriff der Kugel, der 
darin b 1 o s den Kreis sieht , hierzu gehört die tiefere Auffassung ih- 
rer nach allen Seiten hin ganz gleichmässig ausgedehnten Bildung **). 
— Nun noch die einzelnen Figuren! — Fig. I. A. Ein jüngeres 
massig stark vergrössertes Exemplar von Volvox, mit noch nicht rei- 
fer Haut, zerschnitten, um die freie Höhle seines Innern zu zeigen, 
welches nur die kleinen Kugeln enthält, von welchen eine ausgetre- 
ten ist. Fig. I. B. Ein Stückchen der Peripherie desselben bei 



*) Organisation in der Richtung des kleinsten Raumes 3s Heft. 

S. 184. ( 

**) Mit vielem Interesse habe ich gelesen, was der treffliche Forscher > 

Ehrenberg bei Gelegenheit dieser seiner fortgesetzten Uiitersuchun- j 

gen gegen einige von mir gemachte Bemerkungen über nothwendig an- ( 

zuerkennende Einfachheit im Baue der tiefsten Organismen gesagt hat. ( 

Es ist hier zu einer ausführlichen Erörterung nicht die Steffe, affein ( 

ich bin vor der Hand zufrieden, dass auch nach seiner Meinung \ 

„Nachdenken, Vergleichen und Schiiessen leicht zur Bestätigung mei- ^ 

ner Sätze führe"; da ihm aber nur das nachgewiesene Wirkliche \ 

hier gültig erscheint, so muss ich abwarten, bis in den Rhizostomen, i 

Medusen, Monaden, Bacillarien u. s. w., so wie im Ei sefbst afle we- \ 
senttichen Gebilde höherer Thiere im physiologischen Zusammenhange 
nachgewiesen sind, um mich dann zu überzeugen, dass eine wahr- 
haft philosophische Spekulation etwas ganz anderes als die Wirk- 
lichkeit ergeben könne. — Dass gegen das angegebene Beispiel einer 

IV. 



lOOOma liger Vergrösserung, u grünes Körperchen mit einem, c mit 
mehreren dunkeln rothscheinenden Punkten. b Verbindungskanäle, 
zuweilen gespalten, d oscillirende Haare, e Oberfläche. Fig. II. 
Ein ähnliches Exemplar wie Fig. I A. unverletzt von V" Durch- 
messer. Fig. III. Ein älteres Exemplar von 1'" Durchmesser mit rei- 
fer Haut im Innern, an welchem die dritte Generation bereits er- 
kennbar ist. Fig. IV. Ein etwas stärker vergrössertes Stück eines 
Volvox mit ziemlich reifer Brut, um das Austreten der jungen Kugeln 
zu zeigen, welches da erfolgt, wo die beiden Ströme des durch die 
Pfeile bezeichneten Wirbels zusammentreffen. 

Fig. V— IX. 

(nach Ehrenberg, Organisation, Systematik u. s.w. der Infusions- 
thierchen. Berl. 1830) sind bestimmt, das erste Auftreten bestimm- 
terer Verdauungszellen zu zeigen. Fig. V. Kuglige Tropfen- 
Monade von jljz'" Durchmesser, 3tonas gutlula, mit von einge- 
saugtem Indig gefärbten Nahrungszellen. Der Körper zeigt hier nur 
eine einzige Oeffnung. Fig. VI. Ein Walzenthierchen (Enche- 
lys pupä) von ^'" Länge mit dem die NahrnngsöfFnung umge- 
benden Wirbel. Man erkennt hier auch eine Nahrungsreste aus- 
stossende Oeffnung, und deshalb hält Ehrenberg den Darmkanal 
dieser Thiere für organisirt nach dem Schema, wie es Fig. VII dar- 
stellt. Fig. VIII. Ein Wimperthierchen (Leucophrys patula) 
von -jL'" Länge, in welchem Mund- und AfteröfFnung, so wie 
Richtung des Nahrungskanals und der ihm anhängenden Zellen 
deutlicher werden. Fig. IX. Der schematisch einzeln gezeichnete 
Darmkanal. 

Fig. X. 

(ebenfalls nach Ehrenberg) Darmkanal des Crystallthierchens 
(Hydatina sentd). Man bemerkt den Schlundkopf mit den beiden 
breiten Zähnen, dann den kurzen engern Schlund, zu dessen beiden 
Seiten die Magendrüsen , sodann den durch Nahrungsstoffe ge- 
schwellten Dauungskanal , welcher nach unten in die Cloake (a) sich 
endigt , welche von einem Schliessmuskel (6) umgeben ist ; in sie ent- 
leert sich der Ovidukt (d) und das, was von E. für Samengefässe 
gehalten wird, c ist nach E. als Rest des austreibenden Muskels 
des Sperma zu betrachten. 

Fig. XI. 
Zeigt den sehr einfachen Darmkanal des Federbusch-Po- 
lypen (Plumatella [auch Alcyonella] calcaria). Man sieht bei c 
die vorstehende Lippe der MundöfFnung, bei b den Oesophagus bei 
c den Magen und bei d den Mastdarm. — Merkwürdig war bei 
dem hier unter einer schwachen Vergrösserung des Mikroskops ge- 
zeichneten lebenden Exemplare ein äusserst deutliches Cirkuliren der 
kleine Flocken enthaltenden Flüssigkeit um den übrigens freiliegen- 
den Darmkanal herum. Es verlief in der durch die Pfeile bezeich- 
neten Richtung und bildete bei e eine wirbelnde Bewegung. Wahr- 
scheinlich muss hier wie bei den einen Darm zeigenden Infusorien 
angenommen werden, dass die Darmwände die Flüssigkeit unmittelbar 
in die Leibeshöhle überführen, so wie etwa die Haut des Volvox die 
äussere Flüssigkeit in die Kugelhöhle hinüberführt. Dasselbe gilt wahr- 
scheinlich auch von den folgenden Formen. 

Fig. XII— XX 

Zergliederung der Ernährungsorgane einer Seefeder (Vere- 
tillum cynomorium, gliedförmige Kielfeder). Fig. XII. a 
Der ganze frei entwickelte Polypenstock in natürlicher Grösse, b Die 
in der Mitte des untern Stengekndes entwickelte Spina oder Andeu- 
tung eines innern Skelettes. — Fig. XIU. XIV. XV gemachte Durch- 
schnitte des folypenstockes bei ** *, ** und * Fig. XII, um die 
viergekammerte innere Safthöhle desselben zu zeigen, um welche 



verfehlten spekulativen Voraussetzung ganz andere scharf treffende 
gestellt werden könnten, und dass in den wichtigsten Dingen die 
Idee erst der Leitfaden für das Sinnliche werden musste, bedarf wohl 
kaum der Erwähnung. 

2 



6 



sich die Zellen der einzelnen Polypen, je höher hinauf um so 
grösser und complicirter entwickeln. Fig. XIU gewahrt man meh- 
rere aus diesen Zellen sich auswärts hervorstülpende Polypen, deren 
Eier zum Theil noch in den Zellen sichtbar werden. Fig. XVI. 
Ein einzelner vom Stocke abgelöster Polyp mit seinen 8 Armen. 
Fig. XVII ein einzelner Arm mikroskopisch vergrössert. Man sieht 
die Höhle desselben, welche mit Flüssigkeit gefüllt die Ausdehnung 
des Armes zur Folge hat. Fig. XVIII. Ein Polyp mit zusammen- j 
gelegten Armen. Fig. XIX. Ein stärker vergrösserter und anato- 
mirter Polyp, a zeigt den in der geöffneten äussern Hülle (wie bei 
Plumatellä) eingeschlossenen länglichen Magensack, in dessen blin- 
des Ende (b) sich die 8 Eiergänge (c), deren Enden mehrere Eier 
verschiedener Grösse enthalten (rf), einsenken. Fig. XX die Mund- 
öffnung des Polypen in Mitten ihrer 8 Arme. 

Fig. XXI. 
Darstellung des Verlaufes vom Darmkanal in der Röhren- 
holothurie (Holothuria tubulosa). Der fleischig häutige Sack 
des ganzen Thierleibes ist an der Bauchseite der Länge nach ge- 
öffnet und auseinandergelegt, a Die aufgeschnittene Msmdöffnung, 
welche von dem kalkigen Urwirbel (s. Erläuterungstafeln Heft II. 
Taf. I.) umgeben ist. 6 Erste wieder aufsteigende, c zweite ab- 
steigende Darmwindung; d das in die Cloake (e) sich einsenkende 
Darmende. Man bemerkt ein sehr zartes die Darmwindungen be- 
festigendes Mesenterium. Nichtsdestoweniger wirft dieses Thier ge- 
wöhnlich, so wie es gefasstwird, die sämmtlichen hinter dem Munde 
abreissenden, meist einen schlammigen mit feinen Schalenfragmenten 
gemischten Inhalt zeigenden Darmwindungen, nebst dem freien Aste 
des Respirationsorganes durch die Cloake von sich und stirbt dann. 
/ Linker freier Ast des Respirationsorgans, g rechter festgehefte- ) 
ter Ast desselben. 

Fig. XXII. 
Mund und Schlund der Holothuria Sanctori (nach Delle 
Chiaje, memorie sulla storia naturale e notomia), i die von 
dem Zahnkranze (als Ur - Skeletring im 2. Heft d. Erläuterungsta- \ 
fein T. I. dargestellt) und den öfters auch als Speichelgefässe be- 
trachteten Zahnarterien umgebene Mundöffnung. k n der von den Bän- 
dern des Zahnkranzes umgebene Schlund. — l Eierstock, m Ovidukt. 



Fig. XXIII. 

(Copie nach Ebendemselben.) Darstellung der geöffneten Cloake 
von der Holothuria Petagnae. a die Höhle der geöffneten, Re- 
spiration vermittelnden Cloake, b das unterbundene und abgeschnittene 
Darmende, c Anfang der beiden Aeste des Respirationsorgans. 

Fig. XXIV. 

(Ebendaher.) Geöffnete Magenhöhle des pomeranzenfar- 
bigen Seesterns (Asterias aurantiaca). — « Ein Stück der 
Rückenhaut dieses Seesterns zurückgeschlagen, auf welcher man die 
Reste der fibrösen Scheidewände (cid), die freien Zwischenflächen 
(e) und die Streifen, von denen sich das Pcritonaeum losgelöst hat, 
um das Mesenterium (g) zu bilden, gewahr wird. Ferner bemerkt 
man die anheftenden Fibern (/t), welche den im Magengrunde — und 
in Mitten der gefiederten, hier durch die Magenhaut durchscheinenden 
Sehnen — (beii) geöffneten Gallenbehälter absondern, lili Sehnen, 
welche von aussen den Magen umfassen und ihn an das Strahlen- 
skelet heften. Im Innern des Magensacks, dessen Schlund mit L 
bezeichnet ist, senken sich die verästeten ' sogenannten Blinddärme 
(bei 11) ein, deren, erst in einiger Entfernung vom Magen begin- 
nende, Seitenblasen mit m bezeichnet sind. 

Fig. XXV. 

Verdauungswerkzeuge eines Seeigels (Echinus spatangus s. 
Spatangus pectoralis Lam.). a Mundöffnung, c Schlund, d 
Magendarm. e Blinddarm. / übriger Darmkanal mit Sand ange- 
füllt, und von kleinen Ligamenten (g) gehalten, h Ein Kanal, 
welcher in der Gegend des Schlundes entspringt, in den Magendarm 
sich einsenkt und in den eigentlichen Echiniden sich nicht findet 
(vielleicht Gallengang?), i Innere, k äussere Platte des Mesenteriums, 
welche durch die kleinen Bänder an das Hautskelet geheftet ist. 
I Kleine gefässreiche traubenartige nach Delle Chiaje dem Spatan- 
gus eigenthümliche Körperchen auf dem Mesenterium (vielleicht 
eine Art von innern Kiemen?), m Bauchfell, den Schlund an das 
Hautskelet und die Polische Blase heftend, n Freies Stück. o o 
Noch ein Stück Bauchfell an die obere Mittelleiste der Schale und 
an Schlund und Mastdarm geheftet. 



Zweite Tafel. 



Sie erläutert die wesentlichsten Formen des Darmkanals in den Bauchlhieren (Mollusca) und zeigt 
Fig. I. wie bei Ascidien Allimungs- und Dauungsorgane noch nicht ganz getrennt sind, und, anstalt dass 
sonst wohl daselbst starke Ausscheidungen sich in den Darmkanal ergiessen (um eigenthümliches Leben der 
Nahrungsstoffe zu zerstören), die Athmungshöhle selbst den Eingang zum Dauungskanal bildet (s. Satz 9 d. 
Einleitung). Ferner Fig. II. wie in den Pelecypoden (Anodonta) Magenmund und äusserer Mund noch ziem- 
lich eins sind, der Darmkanal nur zu schwächerer Selbstständigkeit gelangt und eine so eigenthümliche Be- 
ziehung zum Centralorgan des Blutlaufs behält. Ferner wie in den Gasteropoden die einzelnen wesentlichen 
Abschnitte des Dauungskanales und insbesondere auch der Schlundkopf bestimmter sich entwickeln (Fig. 
III — X), wobei jedoch theils Magen oft noch von Leber wenig abgesondert ist (Doris Fig. III) , theils hin- 
wiederum die Magenhöhle sehr stark in ihren Wänden entwickelt und getheilt wird (Planorbis Aplysia Fig. 
IV — Vffl) und starke Skelelbildungen hervortreten lässt (Bullaen Fig. IX. X.). Endlich die sehr vollstän- 
dige Entwicklung des Verdauungsapparates der Cephalopoden mit der Combination zwischen Afterdarm und 
einer eigenthümlichen Ausscheidung (Loligo Fig. XI). 



Erklärung der einzelnen Figuren. 



Fig. I. 
Darstellung des Darmkanals einer Seescheide (Aseidia in- 
testinalis) nach Delle Chiaje (Memorie sulla notomia e storia 



naturale), f Speiseröhre, g Kiemensack und zugleich eine Art 
Vormagen, welcher dann in den mit stärkern Wänden versehenen 
eigentlichen Dauungskanal (h) übergeht, j Hodenartiges Organ mit 




seinem Ausführungsgange , welcher an seinem Ende (7;) "mit rothen 
Körnchen besetzt ist. I Eierstock, m Eierleiter, nn Herzohren 
und o Herzventrikel. 

Fig. IL 

Eine grosse Teichmuschel (Anodonta cygnea) geöffnet. Die 
eine Schale aufgeklappt und entfernt, der Körper des Thieres der 
Länge nach senkrecht durchschnitten. * Linke Schale. * * Scha- 
lenschloss. « linke Mantelhälfte, a' Athmungsspalte des Mantels 
mit ihren aufsitzenden Fransen, b obere Ausathmungsröhre des Man- 
tels, in welche sich der Ovidukt b' öffnet, c Hüftmuskel, d Schul- 
termuskel. e Fussmuskel. / Innere mit Eiern gefüllte Kieme, /' 
äussere Kieme, g Herz, h Lippenkiemenblatt. i Mund, k Spei- 
seröhre. I oberer Wulst am Eingange des Magens, m Magenhöhle. 
n unterer Wulst im Magen. Der Magen ist überhaupt in der Sub- 
stanz der Leber (a) gleichsam ausgehöhlt und die Galle dringt un- 
mittelbar durch die Recessus des Magens in dessen Höhle, o Darm 
innerhalb der Substanz der Leber und des Eierstocks (|3) verlaufend. 
p Erste Darmumbiegung , q zweite Darmschiinge, r Fortsetzung 
des Darms, welcher bei s wieder in die Tiefe dringt, um sich in die 
Herzhöhle einzufügen, in welcher er als Mastdarm (t) verläuft und 
sich dann bei u mit freiem After endigt, v Die muskulöse Sohle 
oder der Fuss der Muschel, w Durchschnitt des schwärzlich zelli- 
gen Organes, welches von Einigen als Lunge, von Andern, und wohl 
mit mehr Recht, als Niere betrachtet worden ist. 

Fig. III. 

Darmkanal der Doris argo nach Meckel (dessen Beiträge z. S 

v. A.). n Geöffneter, als Rüssel verschiebbarer muskulöser Schlund- > 

köpf, o Schlund, o' Speiseröhre, p Magen, q der weite Anfang i 

des Darmkanals , in welchen die Gallenzellen der Leber (7) sich öff- \ 

nen. r Darm, s Muskeln des Afterdarms, t Absonderungsorgan > 

am Afterrande mit einem Zuführungskanale aus der Leber. j 

Fig. IV — VI. 

Anatomie der Tellerschnecke {Planorbis Cornea). Fig. IV 
und VI um das Doppelte, Fig. V um das Vierfache vergrössert. 
Fig. IV. a geöffnete Mundhöhle, b Hornzähne. d Speicheldrüsen, 
e Speiseröhre, f Muskelmagen, g Darmschlingen, um die Leber 
(7i) sich legend, i Mastdarm, k Herz. I Sack der Ruthe. m Sa- 
menkanal, n o p männliche und weibliche Geschlechtstheile. q Ne- 
bendrüse derselben mit ihrem Ausführungsgange (s) und die lang- 
hälsige Blase ( Vessie ä long col , Cuviers ) , welche hier einige 
röthliche gelatinöse Körper enthält. Fig. VI. Dasselbe Präparat von 
der linken Seite. Die Bezifferung ist dieselbe, nur sieht man bei t 
in die geöffnete schwärzliche Lungenhöhle, in welcher bei u ein 
Theil des Mastdarms aufgeschnitten ist. — Fig. V. Der Magen des- 
selben Thieres allein dargestellt, a Speiseröhre, b eine kleine aus- 
sen schwärzliche Anschwellung derselben, eine Art Vormagen, c 
der aufgeschnittene starkwandige Muskelmagen, d Darm, f Steine 
aus der Höhle des Muskelmagens. 

Anmerkung. Dass auch so kleine Schnecken Steine aufnehmen, um da- 
durch den Mangel der Magenzähne zu ersetzen und die Wirkung der 
Magenmuskeln zu verstärken, ist sehr merkwürdig und noch nicht he- 
ohachtet gewesen. Dasselbe findet sich auch im Magen des Lymnaeus 



Fig. VII und VIII. 

Anatomie der Verdauungswerkzeuge von Bullaea lignaria, als 
Beispiel stärkster Entwicklung des Magenskelets. a a Die muskulöse 
Sohle des Thieres, welche man bei b von aussen sieht, ist durch- 
schnitten, um Speiseröhre und Magen sichtbar zu machen, c Geöff- 
nete mit kleinen Hornzähnchen bewaffnete Mundhöhle, d der mus- 
kulöse Körper der ebenfalls bewaffneten hervorstülpbaren Zunge, e 
Speiseröhre, an ihrem Anfange aufgeschnitten, um ihre Längenfaltung 
zu zeigen. / Magen, a seine linke, y seine rechte, ß seine obere 
Kalkschale, g Magendarm, welcher die häutige Scheidewand durch- 
bohrt, wodurch der Raum für den Muskelmagen (7) von der Höhle 
der übrigen Eingeweide abgesondert wird, h Fortsetzung des Darms, 
i Leber, k Schleimorgan. Fig. VIII. Der Magen einzeln nach der 
linken Seite übergebogen und geöffnet, a Speiseröhre, b Dieselbe 
an ihrem Uebergange in den Magen geöffnet, cc. ß. y. wie in der 
vorigen Figur. Die Schalen sind immer zum Theil mit zarter Haut 
bekleidet, nur die mittlem Scheiben * * dieser Schalen sind frei. 
Die Höhle enthielt zerbrochene Schalenstückchen kleiner Muscheln. 
— c Pylorus. d Magendarm. 

Fig. IX. 

Anatomie der Verdauungswerkzeuge vom Seehasen (Aplysia 
leporina). a Schlundkopf, b Hirnknoten, c Speiseröhre, d Spei- 
cheldrüsen, ef die beiden ersten häutigen , g h die beiden letzten 
bewaffneten Magen, i Gallendarm, k l Darmkanal, m Afterdarm. 
n Kiemen, o Die Masse der Geschlechtswerkzeuge, p Ein Theil 
des Geschlechtskanals nach aussen gestülpt, q Leber, r äussere 
Fläche des die Eingeweide umgebenden Muskelsackes s Oberlippe, 
nebst den eingezogenen Fühlfäden. 



Fig. X. 

Die geöffneten Verdauungswerkzeuge desselben Thieres nach 
Delle Chiaje (a. a. O.). d Halbmondförmige Knorpel des Thie- 
res. e Zunge, ff Oeffnungen der Speichelgefässe (g), h Spei- 
seröhre, i Die häutigen Magen (welche von Delle Chiaje als 
ein einziger betrachtet werden). V erster bewaffneter Magen mit 
den drei Hautschichten (l), k zweiter bewaffneter Magen, m Mus- 
kulöse Klappen am Beginn des Gallendarms, n n die beiden gros- 
sen Gallengänge der Leber mit ihren Oeffnungen und Klappen (o o). 
p ein geöffneter Gallengang, um die Einfügung der Nebenkanäle zu 
zeigen, q q Uebrige Darmwindungen. 

Fig. XI. 

Anatomie der Verdauungsorgane des gemeinen Kalmars (Lo- 
llgo vulgaris). Das Thier ist der Länge nach von der Bauchseite 
geöffnet und das Infundibulum getheilt. a Lippe , welche den Mund 
umgiebt. b Schlundkopf, der Länge nach von der Seite aufge- 
schnitten, c Horniger Oberkiefer, d horniger Unterkiefer, e Ge- 
öffneter Schlundkopf. / Zunge mit kleinen Hornzähnchen besetzt. 
g Speiseröhre, h Cardia, i der dünnhäutige Magen, k der Ein- 
gang zu dem Spiralblinddarm. I Darm, aufgeschnitten, um die Län- 
genfaltung zu zeigen, m After, n Dintenblase. o Trichter, p 
Eierstock, q Geschlechtsdrüse, r rechte Kieme, s Durchschnitte- 
ner Muskelsack des Bauchs. 



I 



Dritte Tafel. 



Giebt Beispiele von Darmbildung aus den verschiedenen Ordnungen der Gliedert hiere. Zeigt zu- 
vörderst das Schwankende dieser Bildung in den niedern Entozoen, wo oftmals die Einheit der Darmhöhlen- 
bildung noch unentwickelt erscheint (bei Distoma Fig. I. IL); ferner die der vorherrschenden Längendimension 
angemessene gegliederte Entwicklung des Darmes in den Würmern (bei Spirographis Fig. IV — VI.); macht 

2 * 



I 



sodann die in den Decapoden und ihnen verwandten Formen entschiedener hervortretende Ausbildung des Ma- 
gens anschaulich (bei Palinurus Fig. VII.) und bringt endlich ein paar von den unendlich mannichfalligen 
Formen der Dauungsorgane der Kerfe im ;Raupenzustande (Sphinx atropos), im vollkommnen Zustande (Gryl- 
lotalpa) und nach seinen Veränderungen während der Metamorphose (Bombyx pini) zur Anschauung. 

Erklärung der einzelnen Figuren. 



Fig. I. 
Ein geöffnetes Distoma Squali grisei, dessen natürliche Länge 
die nebenstehende Linie anzeigt. Man sieht bei a die der Länge 
nach durchschnittene obere Saugmünduug. c Der in seiner Mitte et- 
was erweiterte, ebenfalls der Länge nach geöffnete Schlund d Be- 
ginn der eben so geöffneten Magenhöhle, in deren Eingange eine 
Art Spiralklappe sich zeigt, hinter welcher eine Borste eingebracht 
ist. e Magenhöhle, ebenfalls noch eine Spiralfalte zeigend. / Die 
hinter dem Magen beginnende Zellsubstanz, welche theils die Zellen 
für die Eier bildet, theils die beiden Nahrangskanäle enthält, welche 
als Blinddärme sich durch den übrigen Körper erstrecken und In- 
jektionsmasse, mit welcher der Magen erfüllt wurde, mit aufrieb.- i 
' m en. — Man sieht dies deutlicher an einem bei * * gemachten 
Querdurchschnitt des Wurmleibes, welcher bei 

Fig. II. 
allein dargestellt ist. Durch a sind hier die beiden Längskanäle zum 
Dauungsapparat gehörig, und durch ß die Eierstockszellen mit aus- 
tretenden Eiern bezeichnet. 

Fig. III. 
ist ein einzelnes Ei stark vergrössert. 

Fig. IV. 

Zeigt den sonderbaren spiralförmigen Darmkanal des Fächer 
tragenden Köcher wurms (Spiro graphis ventilabrum). Das 
Thier ist aus seiner Röhre gezogen, der Länge nach geöffnet und 
zusammengebogen, der farbige, gestreifte Fächer, welchem jedenfalls 
die Bedeutung der Kiemen mit zukommt, ist ausgebreitet; der Schlund 
a ist der Länge nach geöffnet, und man sieht seine Befestigung durch 
eine Menge schräger Muskelfasern (6). Von c an beginnt dann der 
Darm, von welchem jede Spiralwindung durch ein inneres Querband 
festgehalten wird. So erstreckt sich dann der Darm weiter (d) und 
endigt zuletzt immer feiner werdend durch eine äusserst feine Oeff- 
nung bei e. 

Fig. V. 

Zeigt die Bildung des Einganges zur Mundhöhle bei demselben 
Thier, aber in bedeutender Vergrösserung. a Die linke Kiemenfa- 
sern tragende Lippe ausgebreitet, a' die rechte grössere, spiralför- 
mig zusammengerollt, b Eingang zum Schlünde, d Die obern klei- 
nen Lippen. 

Fig. VI. 

zeigt ebenfalls stark vergrössert das Uebergehen des Schlundes a, in 
welchem ebenfalls schon die Andeutung einer Spiralfaltung sich fin- 
det, in den spiralförmig gewundenen Darm b, welcher äusserlich mit 
einer Menge zarter Gefässchen (c) besetzt ist und durch die Quer- 
bänder dl an jeder Spiralwindung befestigt wird. 

Fig. VII. 

Anatomie der Verdauungswerkzeuge der Languste (Palinurus 
vulgaris). Das Thier ist der Länge nach durchschnitten , jedoch so, 
dass der Dauungskanal im Ganzen unverletzt geblieben und nur hin- 
ter dem Magen in kleiner Strecke geöffnet ist. a Oberlippe, b 
Mandibula der linken Seite. 12 3 4 5 Maxillen derselben Seite, c 
Magen, d Magenskelet. e Pylorus. f Faltung im Zwölffinger- 
darm, wo die Galle eindringt, g Leber, h Fortsetzung des geraden 
Darmes bis zum After. 



Fig. VIII. 
A Verdauungskanal der Raupe des Todtenkopfschmet- 
terlings (Sphinx atropos'). Das Thier ist der Länge nach von 
der Bauchfläche aus geöffnet, und es ist nur am Mund- und Afterende 
ein Theil der allgemeinen Bedeckung und dort vorhandener Glied- 
maassen mit dargestellt, a Oberlippe, b Zunge, über welcher der 
ziemlich enge Eingang zum Schlünde befindlich ist. c Die starken 
hornigen Kinnladen (Mandibulae). d Rudiment der Kinnbacken 
(Maxillae). e Unterlippe mit Unterlippentastern. / erstes Fusspaar. 
g der sehr enge Schlund mit den ihn von beiden Seiten haltenden 
Muskelfasern, h häutiger Vormagen von einer eigenthümlichen drü- 
sigen Wulst (i) umgeben. h Der sehr weite, durch sechs Längen- 
streifen und eine Menge Querstreifen vielfach in seinem Umfange 
gefaltete Magen. I Untere Abschnürung desselben. n Der kurze 
Zwölffingerdarm, auf gleiche Weise wie der Magen gefaltet, ober- 
halb dessen sich die Gallengefässe (m) einsenken, o der ihm ähn- 
lich gebildete Afterdarm mit aufgeschnittener Afteröffnung, p Im 
Umfange sieht man noch ein paar Bauchfüsse und das Hörn ober- 
halb des Afters. — B Ein Stück Gallengefäss von Sphinx euphorbiae 
mikroskopisch vergrössert. — C Die Art, wie die drei Gallengefässe 
sich gewöhnlich jederseits vereinigen, um sich in den Darmkanal ein- 
zufügen, ebenfalls von Sphinx euphorbiae dargestellt. 

Fig. IX. 

Vormagen der Raupe des Todtenkopfschmetterlings geöffnet, 
um das Vorragen der drüsigen Wulst an der Innenfläche, so wie die 
innere Faltung des Magens zu zeigen. 

Fig. X. 

Verdauungskanal der Maulwurfsgrille (GryUoialpa vulgaris) 
von der Rückenseite gesehen und um das Doppelte vergrössert. Am 
Schlünde ist noch ein Theil des Kopfs (Stirn und Oberlippe) mit 
der linken Antenne erhalten, a Linker Kiefertaster, b Oberlippe, 
c Kinnlade (Mandibula) der linken Seite. d linker Kinnbacken 
(Maxilid) und Unterlippe nebst linker Unterlippentaster, f Zunge, 
g Schlund, h Kropfartiger Vormagen, i Anschwellung des Schlun- 
des in dieser Gegend , 7; Fortsetzung des Schlundes zum Muskelma- 
gen (?) ; m häutiger Magen, n Magendarm. o Gefaltete Fortsetzung 
des Magendarms, p Gallengefässe. q Afterdarm. 

Fig. XI. 

Stärker vergrösserte Darstellung der Einfügung des Muskelma 
gens «, in den Hautmagen b, und der dort vorragenden vier langen 
hornigen Zahnblätter. 

Fig. XII. 

Querdurchschnitt des Muskelmagens, um die sechs mit Horn- 
zähnchenreihen besetzten Längenwülste zu zeigen. 

Fig. XIII. 

Die abwärtsgekehrten Hornzahnblättchen einer solchen Wulst 
stärker vergrössert. 

Fig. XIV — XVI. 

Metamorphose des Darmkanals während der verschiedenen Zu- 
stände des Fichtenspinners (Bombyx pini) nach S u c k o w. (Anatom, 
physiol. Untersuchungen der Insekten und Krustenthiere). Fig. XIV. 
Darmkanal einer ausgewachsenen Raupe um 1 vergrössert. a Schlund. 
b Magen, c Pförtner mit dem Anfange des Dünndarms, d sechs- 




j" . ■■ ■ - 



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II ■!■ L-Il 



I 



9 



zellige Anschwellung desselben, e eine ähnliche zweite kleinere. / 
Mastdarm, g Die Gallengefässe. h Die Spinngefässe. i Die Spei- 
chelgefässe. n Die beiden Längenmuskelstreifen des Schlundes, o 
Die Muskelstreifen , w eiche sich an die Längenstreifen ansetzen und 



Puppe aus der zweiten Woche nach dem Einspinnen (die Buchsta- 
ben haben dieselbe Bedeutung). Fig. XVI. Darmkanal des ausge- 
bildeten Schmetterlings (Buchstaben wie Fig. XIV.), durch ausseror- 
dentliche Zusammenziehung der eigentlichen Verdauungshöhle merk- 



die Speiseröhre bandartig umfassen. — Fig. XV. Darmkanal der I würdig. 



Viert 



Tafel. 



Von hier an beginnt die Uebersicht der Verdauungsorgane der Hirnthiere, in welchen nun die be- 
stimmte Gliederung der Verdauungswerkzeuge nach der oben angegebenen Ordnung immer regelmässiger sich 
ausbildet. — Am niedrigsten ist noch der Typus in der Klasse der Fische, von welcher auf dieser Tafel 
Beispiele gegeben sind; und namentlich erinnert die innigere Vereinigung des Darmanfanges mit Wasser - 
Athmungsorganen an die Ascidien. Die niedrigsten wurmähnlichsten Fische sind die Cyclo st omen, und 
hiermit stimmt auch die Bildung ihres Darmkanals, welcher durch ganz geraden Verlauf, Mangel bestimmter 
Gliederung, einfache Längenfaltung mit schwacher Andeutung von Spiralwindung sich auszeichnet (so bei 
Petromyzon ßuviatilis und marinus Fig. I — V). Das Fortschreiten der Entwicklung des Dauungskanales und 
seiner Windungen zeigt dann Fig. VI — VIII. bei Gasterosleus, Blennius und Gadus, während Fig. IX. XI. 
XII. die Entwicklung der Faltung an der Innenfläche erläutern (bei Raja und Accipenser) und endlich Fig. X. 
ein Beispiel eigenthümlicher Bildung von Mund- und Rachenhöhle gewährt (bei Lepidopus). 



Erklärung der einzelnen Figuren. 



Fig. I. 

Ein von der Bauchseite geöffnetes Flussneunauge {Petro- 
myzon ßuviatilis) in natürlicher Grösse, um daran den einfachen 
geraden Verlauf des Darmkanals zu zeigen, a Der enge Eingang 
aus der trichterförmigen Mundhöhle zum Schlünde. Bei b sondert 
sich nun der Bespirationskanal vom Nahrungskanal; ersterer liegt 
vor letzterem und zeigt jederseits sieben Oeffnungen zu den seitli- 
chen Kiemensäcken. Bei c ist die hintere Wand des Respirations- 
kanals aufgeschnitten und so der dahinter liegende Oesophagus, in 
welchen eine Sonde eingebracht ist, mit geöffnet, d Blindes Ende 
des Resphationskanales. e Leber, auswärts gezogen, fg Darmka- 
nal, welcher etwas aufgehoben dargestellt ist, übrigens ohne Me- 
senterium freiliegt und nur durch einige stärkere Gefässzweige (k) 
befestigt wird, h After, i Die durchbohrte Papille hinter dem Af- 
ter, welche sich frei in die Bauchhöhle öffnet (wie die eingebrachte 
Sonde zeigt) und zur Ausleerung der von den Ovarien (l) in die 
Bauchhöhle geschütteten Eier bestimmt ist. 

Fig. II. 
Oberer Theil des Darmkanales, dessen Erweiterung als eine Art 
von Magen betrachtet werden kann, in seiner innigen Verbindung 
mit der grün gefärbten Leber aus der Lamprete (Petromyzon 
marinus). 

Fig. 111. 
Dasselbe Darmstück der Länge nach geöffnet, um die eigen- 
Ihümliche Längsfaltung der den Magen darstellenden Erweiterung zu 
zeigen; wobei zugleich bemerklich Wird, dass eine grössere Oeffnung 
für den Eintritt der Galle fehlt. 

Fig. IV. 
Ein Theil der Längenfaltung desselben Darmstücks durch die 
Lupe vergrössert gezeichnet, woran man die einzelnen Längenfalten 
und die netzförmige Structur zwischen ihnen deutlich wahrnimmt. 

Fig. V. 
Im ganz geraden Darmkanal von Petromyzon ßuviatilis (Fig. 
1.) befindet sich hinter der Leber eine eingeschnürte Stelle, welche 
innerlich die Andeutung einer Klappe und somit einer schärfern Ab- 

IV. 



i sonderung des Schlundes von dem Magendarm enthält. Dies« Stelle 
i ist nun hier nebst der Andeutung von Spiralwindung der Schlund- 
I falten stark vergrössert dargestellt. 

J Fig. VI — VIII. 

( Zeigt eine Stufenfolge von Entwicklung des Verdauungsappara- 

j tes in den Gräthenfischen, nach Rathke (Beiträge zur Geschichte 

j der Thierwelt). — Fig. VI. Darmkanal vom Stiehl in g (Gaste- 

\ rosteus spinachia). Schlund, wenig erweiterter Magen und Darm sind 

( noch in einer Richtung, nur der letztere macht eine kleine Krüm- 

( mung. Fig. VII. Darmkanal vom Schleim fisch {Blennius vivi- 

{ parus). Der Magen ist schon stärker erweitert, am Pförtner be- 

) finden sich ein paar grössere Anhänge (a), in welchen die erste 

' Andeutung des Pankreas gegeben ist ; der Darm macht stärkere Win- 

\ düngen. Fig. VIII. Darmkanal vom Dorsch (Gadus callarias). 

Schlund, wie gewöhnlich bei den Fischen unmerklich in den Magen 

übergehend, welcher einen Blindsack bildet und an der Stelle, wo 

er in den drei Windungen machenden Darm übergeht, von den hier 

zahlreichern pylorischen Anhängen (a) umgeben ist. 



Fig. IX. 

Darmkanal eines kleinen Exemplars vom Nagelrochen (Raja 
clavatä). Der Darmkanal ist weniger durch äussere, dagegen mehr 
durch innere Entwicklung ausgezeichnet. — Am Magen , welcher hier 
zur Hälfte geöffnet dargestellt ist, zeigt sich die Gränze zwischen 
der Längenfaltung des Schlundes (a), und der eigentlichen, mit ei- 
ner dickern röthlichen Schleimhaut (b) ausgekleideten Magenhöhle 
deutlicher, c Pförtnergegend, d Uebergang des kurzen Zwölffin- 
gerdarmes in den eine Art von Colon darstellenden Spiralklappen- 
darm, durch dessen starke Faltung der innern Schleimhaut die ge- 
ringe Länge einigermaassen compensirt wird, e Afterdarm, mit ei- 
nem an die Cloake stossenden Blinddarm (/). 

Fig. X. 

Beiss- und Schlingwerkzeuge in Verbindung mit dem Respira- 
tionsapparat aus dem Lepidopus Peronii. Die Mund- und Rachen- 
höhle des Fisches ist von unten durch Theilung der beiden Aeste 
des Unterkiefers geöffnet, u Abtrennung des Zungenbeinkörpers, 
an welchem rückwärts ein langer Zungenbeinkiel und vorwärts die 

3 



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10 



kurze Zunge zu bemerken sind, von dem gegenüberliegenden Qua- 
dratknochen und Mundhöhlenboden. 6 Deckgewölbe der Rachen- 
höhle, c ein häutiges Gaumendach der vordem Mundhöhle, wel- 
ches hinterwärts eine Art von freiem Gaumenbogen bildet, d Decke 
der Kiemengegend , e die Kiemenbogen mit den Kiemen, f Die 
künstlich getrennten Unterkieferäste. Man bemerkt eine starke Be- 
waffnung der Kiefer - und selbst der Kiemenbogen durch lange 
spitzige Zähne, als die gewöhnliche Form der Fischzähne (s. Er- 
läuterungstafeln Heft IL). 

Fig. XI. 

Magen mit Leber und Gallenblase vom Stör (Accipenser stu- 
rio) um die Hälfte verkleinert, a Ende der Speiseröhre mit zacki- 
gen Längenfalten ausgekleidet; b Anfang des mit weicher röthlicher 
Schleimhaut ausgekleideten Magens, c Erste Umbiegung, d zweite 
Umbiegung desselben, e Pförtnertheil des Magens, f Verdickte 



Pförtnerwände und Uebergang in den Zwölffingerdarm, dessen in- 
nere vertieft zellige Fläche bei g freigelegt ist. h Vertiefung, in 
welche sich Gallengang und Pankreas ergiessen. i Pankreas, bei k 
aufgeschnitten, um die kleinen Höhlen der einzelnen Lappen dessel- 
ben zu zeigen. I Zwölffingerdarm, von aussen mit der freiliegenden 
Darmarterie, m Derselbe geöffnet, wo er nach Bildung einer Klappe 
in den Spiralklappendarm übergeht, n n Milz. o Spiralklappen- 
darm, p Anfang der Spiralfalte desselben, q Leber, r Gallen- 
blase, s Gallengang. 

Fig. XII. 

Fortsetzung des Spiralklappendarms der vorigen Figur. Der 
Darm ist an seinem untern Ende geöffnet, so dass man die Fort- 
setzung der Spiralklappe bis gegen den After hin übersieht. 

D. Carus. 



n f t c Tafel. 



Wenn die Amphibien, welche mit wenigen Ausnahmen sämmllich Fleischfresser sind und wie die Fische 
ihre Speise meist unzerkleinert verschlucken, einerseits eine grosse Uebereinstimmung ihrer Verdamm <rsor<*ane 
zeigen sollten, so sind doch ihre übrigens sehr verschiedene Lebensweise und vorzüglich die grosse Verschie- 
denheit ihrer äusseren Körpergestalt, welche bei den einzelnen Ordnungen der Amphibien mehr als fast in 
irgend einer andern Thierklasse wechselt, die Ursachen von mannichfachen Unterschieden dieser Organe. 
Hierzu kommt nun noch, dass diejenigen Amphibien, welche einer Metamorphose ihres Körpers unterworfen 
smd, gleich den Insekten in den verschiedenen Stadien ihrer Ausbildung auch einen sehr abweichend Ge- 
stalteten Speisekanal zeigen. So findet man z. B. bei den pflanzenfressenden Larven der Frösche und Kröten 
einen sehr langen, spiralförmig gewundenen, dünnhäutigen und überall gleichartigen Speisekanal, der sich 
später, gleichlaufend mit der Umbildung des Thieres und der animalisch werdenden Nahrung, allmälig ver- 
kürzt, und durch stellweise Erweiterung in Magen, Dünn- und Dick -Darm sondert *). Daher schliesseen 
sich die niedrigsten, zeitlebens im Larvenzustande verharrenden Batrachier in Ansehung ihres Speisekanals 
noch dicht an die Fische an, während die höheren auch in dieser Beziehung immer vollkommener werden 
und die höchstgestellten sich schon in mannichfacher Hinsicht der Klasse der Vögel nähern. Einige Bei- 
spiele solcher Verschiedenheiten zu geben, ist der Zweck dieser Tafel. 



Erklärung der einzelnen Figuren. 



Fig. I. 
Ein Proteus anguinus in natürlicher Grösse; der Unterkiefer 
ist auf der linken Seite aus seiner Gelenkverbindung gelöst und nie- 
dergebogen, der Leib aber geöffnet und der Speisekanal vorgezo- 
gen worden. Die Beschaffenheit der Zunge und die Gestalt der 
Mundhöhle mit den seitlichen Kiemenspalten erinnern sehr deutlich 
an die Fische und machen, in Verbindung mit der grossen Einfach- 
heit des Speisekanales , dies Thier sehr geeignet, die niedrigste Form 
der Verdauungsorgane zu zeigen. a stellt die obere Hälfte des 
Kopfes vor, an der man die fleischige Lippe, die verhältnissmässig 
kleine Mundspalte und zwei Reihen von Zähnen wahrnimmt; an der 
Schnittfläche zeigen sich vorn das Kiefergelenk, dann der Durch- 
schnitt des am Schädel aufgehängten Hornes des Zungenbeines, und 
hinterwärts die Durchschnitte der drei hinteren die Kiemen tragen- 
den Hörner des Zungenbeines, b bezeichnet den abwärtsgebogenen 
Unterkiefer mit seiner Zahnreihe und der wulstigen Lippe davor, 
und an dem Rande die Durchschnitte der schon erwähnten vier 
Hörner des Zungenbeines, c Das linke Nasenloch, welches nicht 
mehr wie bei den Fischen zu einer blind geendeten Nasenhöhle führt, 



sondern, wie bei allen nun folgenden Thieren, die Mündung eines 
Kanales ist, der sich in der Mund- oder Rachenhöhle endet, d die 
nahe an dem Mundwinkel gelegene hintere Nasenöffnung derselben 
Seite, e Die sogenannte Zunge, die, wie in der Klasse der Fische 
aller eigenthümlichen Bewegung und auch wohl Empfindung erman- 
gelt, und nur das vordere breite mit Haut überzogene Knorpelende 
des Zungenbeines ist; die kleinen weissen und härtlichen Hörkno- 
chen auf ihr sind keine Geschmackwärzchen, sondern, wie die glei- 
chen in der übrigen Mundhaut, Schleimdrüsenkörner. / deutet die 
seitliche, zu den Kiemenspalten führende Erweiterung der hier noch 
ungetrennten Mund- und Rachenhöhle an. ghi Der Speisekanal, 
welcher bei g mit einem trichterförmigen Schlundkopfe anfängt, 
übrigens aber von überall gleicher Weite und äusserer wie innerer 
Beschaffenheit, in dem ausgestreckten Thiere ganz gerade nach hin- 
ten verläuft. Der Schlund- und Magentheil dieses Kanales ist nur 
etwas muskulöser und mit stärkeren Längsfalten versehen als der 
hintere oder Darm-Theil, der weder durch einen Pförtner vom Magen, 
noch durch eine Grimmdarmklappe in sich selbst abgegränzt ist. 
i Die äussere spaltförmige Oeffnung der Cloaca, d. h. einer in die- 



*) Man vergl. z. B. Roesel von Rosenhof, lüstor. nat. ranarum. Taf. XIX. f. 1 u. 2. und Steinheim, die Entwicklung der Frösche Harn 
bürg, 1820. 8. e 



11 






ser und der folgenden Thierklasse und selbst noch in einigen Säuge- 
thieren vorkommenden gemeinschaftlichen Höhle, worin sich der Darm 
mit den Harn- und Geschlechtsorganen endigt. 

Fig. II. 
Die Zunge und der Speisekanal von Menobranchus lateralis, 
Harlan, oder Proteus of the lakes, Mitchill, in natürlicher 
Grösse und Lage; obgleich dies Thier dem vorigen noch sehr gleicht, 
so ist die Einrichtung der Verdauungsorgane doch schon durch grös- 
sere Länge und beginnende Abtheilung derselben bedeutend voll- 
kommener, a Die Zunge, ohne eigene Beweglichkeit und nur an 
der Spitze frei, ist nichts als das freie mit dicker drüsenreicher 
Haut überzogene Ende des Zungenbeines, b die kleine Oeffnung 
der Luftröhre, c der Schlund, hier ziemlich . eng , aber innerlich so 
stark gefaltet, dass er einer grossen Erweiterung fähig ist. d Der 
grosse Magen; er war durch drei frischverschluckte kleine Fische, 
ein Wasserinsekt und die Scheren eines Krebses sehr ausgedehnt. 
e Der Pförtner, welcher weder durch eine scharfe Abschnürung, 
noch durch eine vorspringende Falte, wohl aber durch plötzliche 
Verschiedenheit der inneren Haut des Magens und des Darmes be- 
zeichnet ist; erstere ist nämlich muskulöser, derber, glatt und glän- 
zend, letztere dünner, weich und feingefaltet. // Der Dünndarm, 
der, um ihn besser zu übersehen, ein wenig auseinandergelegt ist; 
er ist stark gewunden und innerlich mit longitudinellen unregelmässi- 
gen Falten besetzt, g Eine Stelle, bei welcher der obere Darm 
etwas in den unteren Darm eingeschoben ist und eine schwach vor- 
springende kreisförmige Falte bildet; ob dies eine zufällige Einkrie- 
chung oder die erste Andeutung einer Grimmdarmklappe ist, liess 
sich nicht entscheiden, da mir von diesem seltenen Thiere nur ein 
Exemplar zu Gebote stand, h h das untere, hier und da durch Koth 
ausgedehnte, übrigens aber dem übrigen Darme ähnliche Stück des- 
selben, i Die longitudinelle Oeffnung der Cloake. 

Fig. III. 

Dieselben Theile von einem amerikanischen Laubfrosche, 
Hyla bicolor, von der Rückenseite und in natürlicher Grösse dar- 
gestellt; sie sollen die den meisten Batrachiern zukommende vordere 
Anheftung der Zunge, so wie eine schon deutlichere Abtheilung des 
übrigens sehr kurzen Speisekanales zeigen, a a Der glatte zahnlose 
Unterkiefer, b die Zunge, vorn schmal und am Unterkiefer ange- 
heftet, auch in zwei Dritttheilen ihrer Länge (bis c) unten befestigt; 
nur die Seitenränder und zumal das hintere, breitere und abgerun- 
dete Ende, dessen rechte Hälfte nach links umgebogen dargestellt 
ist, sind beweglich. Die Oberfläche der Zunge ist weich und reich 
an Geschmackwärzchen und Schleimdrüsen, d ' Die Luftröhrenmün- 
dung, e Der kurze und weite Schlund; die starken Längsfalten an 
der eingeschnürten Stelle deuten an, dass er alhnälig in den Magen 
übergehe, fg Der sehr muskulöse Magen; sein unteres, etwas um- 
gebogenes Ende g, von welchem, wie von dem Anfange des Dar- 
mes, die Hälfte weggeschnitten ist, zeigt viele starke Längsfalten, 
deren plötzliches Aufboren eine Art von Pförtnerklappe darstellt. 
h Der Anfang des Dünndarmes; dicht am Magen ist er innerlich 
mit vielen langen flockenartigen Zotten, weiterhin aber, wie der 
übrige Dünndarm, mit feinen queren Falten, welche sich durch viele 
Verbindungsäste zu kleinen Zotten gestalten , bekleidet, i i i die fer- ' 
neren wenigen Windungen des sehr kurzen Dünndarmes. /; die kreis- \ 
förmige Grimmdarmklappe. I Der Dickdarm, der, wie auch schon ] 
das Ende des Dünndarmes, innerlich fast ganz glatt und faltenlos ] 

ist. m die fast kreuzförmig gestaltete Mündung der Cloaca. ] 

i 

Fig. IV. j 

ist bestimmt, an der Surina mischen Kröte, Pipa surinamen- < 
sis, den gänzlichen Mangel der Zunge *) und eine grössere Voll- l 



*) Auch eine Schildkröte, die Matamata fimbriala, hat keine Zunge, 
sondern statt deren nur eine schmale quere Ilautfalte, hinter welcher, 
nahe am Unterkiefer, die Oeffnung des Kehlkopfes liegt ; es ist dies 
um so interessanter, da der ganze Kopf der Matamata sehr viel Aehn- 
lichkeit mit dem der Pipa hat. 



| kommenheit des Magens darzustellen, a a Der zahnlose, flachge- 
J drückte Unterkiefer, b Der glatte, keine Spur von Zunge zeigende 
j Boden der Mundhöhle, von der bräunlichen, derben, ein deutli- 
j ches Epithelium zeigenden Mundhaut gebildet; diese kann, wie es 
hier gezeichnet ist, stark abwärts ausgedehnt, aber auch, besonders 
in ihrem hinteren Theile sehr zusammengefaltet, und dadurch die 
Mundhöhle einigermaassen von dem Schlünde abgeschnürt werden. 
j c Die Oeffnung der Luftröhre, vorn durch eine kleine quere Falte 
begränzt und dadurch theilweise verschliessbär. d der trichterför- 
mige Schlund, dessen innere längsgefaltete Haut nach dem Magen 
j zu allmälig weicher wird, e der, im Verhältniss zur grossen Mund- 
J und Rachenhöhle sehr kleine Magen; er zeigt schon eine mehr rund- 
J liehe Gestalt, eine untere Umbiegung und die erste Spur eines Blind- 
j sackes; er ist derb, muskulös und innerlich mit longitudinellen, sanft 
j wellenförmigen, und vielfach eingekerbten Falten versehen. / der 
I Dünndarm, welcher dicht am Magen eine beständige und bedeutende 
i Erweiterung zeigt, welche aber durch grosse Dünnheit ihrer Wan- 
j düngen, durch kleine Längsfalten und Flocken, so wie durch allmä- 
I ligen Uebergang in den Darm sich als einen Theil von diesem und 
t nicht als einen zweiten Magen, wie Fer min und Breyer glaubten, 
j darstellt, g Der Pförtner, durch eine starke äussere Einschnürung 
j und eine in die Erweiterung des Darmes hineinragende ringförmige 
5 Klappe scharf bezeichnet. 
I 
J Fig. V. 

J zeigt eine Klapperschlange, Crotalus Durissus L. s. Simus 
Daud., in halber Grösse mit aufgeschnittenem Leibe und daraus 
| hervorgezogenem Speisekanale. An dem Kopfe sieht man das Na- 
j senloch, dahinter die den Giftschlangen eigentümliche Drüsengrube, 
j in dem geöffneten Munde aber oben die grossen Giftzähne mit ihren 
j Hautscheiden, und auf dem Boden der Mundhöhle hinter der Zunge 
j die Oeffnung des Kehlkopfes, a Die aus ihrer hinter dem Unter- 
J kieferwinkel geöffneten Scheide massig hervorgeschobene Zunge; sie 
j ist, wie bei allen ächten Schlangen, sehr lang, bandförmig, vorn in 
^ zwei Spitzen auslaufend, und mit einem dunklen und festen Epithe- 
j lium bekleidet, auch völlig warzenlos. b der hintere in seiner Scheide 
J eingeschlossene Theil der Zunge, c Die Luftröhre, welche vor dem 
j Eintritt in die Lunge abgeschnitten ist. d d Die Speiseröhre; sie 
j beginnt ohne alle Gränzen in der weiten ausdehnbaren Mundhöhle, 
J geht auch unten ohne alle Gränzen in den Magen über, ist dünn- 
j wandig und wegen der Menge ihrer Längsfalten einer grossen Er- 
! Weiterung fähig, ee der gerade schlauchartige Magen; er enthielt 
! in diesem Thiere drei grosse Mäuse. / die ziemlich deutliche Pfört- 
! nerklappe, durch eine äussere schwache Einschnürung angedeutet. 
! g g Der Dünndarm, wie bei der Mehrzahl der Schlangen, starke, 
i kurze und durch Zellgewebe aneinander geklebte Windungen zei- 
gend; innerlich finden sich schwache und unregelmässige Längsfal- 
ten, h die deutliche Grimmdarmklappe. i der Dickdarm, welcher 
hier wenig ausgedehnt war, und einzelne quere stark vorspringende 
und halbmondförmige Klappen enthält, k die quere zur Cloake 
führende Spalte. 

Fig. VI. 

Der Unterkiefer nebst der Zunge von der griechischen 
Schildkröte, Testudo graeca , in natürlicher Grösse. Es soll 
diese Figur eine stärkere Kaufähigkeit und eine grössere Ausbildung 
der Zunge zeigen. Während nämlich die übrigen Amphibien ihren 
Frass unzerkleinert verschlucken, können fast alle Schildkröten mit 
ihren scharfen und fein gezähnelten, wie Scherenblätter nebenein- 
ander vorbeigleitenden Kieferrändern die Speise abbeissen und stück- 
weise in den Mund nehmen; zu dem Ende sind beide Kinnladen 
nicht allein an und für sich sehr stark, sondern auch noch ausser- 
dem mit einem dicken und harten Hornüberzuge bewaffnet, der schon 
sehr deutlich an eine ähnliche Kieferbekleidung in der folgenden 
Thierklasse erinnert. Bei den Landschildkröten, welche vorzugs- 
weise von saftigen Kräutern und Gräsern leben und diese stückweise 
abbeissen und zerquetschen, wird eben dadurch auch eine stärkere 
Entwicklung der Speicheldrüsen und der Zunge bedingt, als dies bei 

3 * 



B^-HM 



12 



! 



den niedern See- und Flussschildkröten der Fall sein kann, a Der 
Unterkiefer, welcher an seiner oberen Fläche zwei gezähnelte Horn- 
kanten und eine dazwischen befindliche Rinne zeigt; der Oberkiefer 
ist ähnlich gestaltet, aber über dem Unterkiefer so hervorstehend, 
dass die beiden scharfen Kanten des letzteren an der innem Seite 
der vorstehenden Kanten des Oberkiefers vorbeigleiten, b b Die 
beiden grossen Unterkieferspeicheldrüsen; sie bestehen aus vielen 
sehr weiten und tiefen Drüsenschläuchen, welch« gegen die Zunge 
hin allmälig immer feiner werden und hier wohl den Unterzungen- 
drüsen höherer Thiere entsprechen. Beide grosse Drüsen sind vorn 
durch das schmale Zungenbändchen voneinandergeschieden. c Die 
herzförmige, in der Mitte mit einer Rinne bezeichnete, Zunge. Sie 
ist auf ihrem ganzen Rücken mit sehr vielen weichen Geschmack- 
wärzchen bedeckt, welche aus schmalen und langen, an ihren Rän- 
dern fein eingekerbten Blättchen oder breiten Fäden bestehen. d 
Der Kehlkopf, e e Der weite , an Schleimdrüsen sehr reiche Rachen. 

Fig. VII. 
stellt in natürlicher Grösse ein Stück des obern Theiles der Speiseröhre 
von einer sehr grossen Seeschild kr öt«, Chelonia viridis , s. escu- 
tenla, vor und ist bestimmt, die den Seeschildkröten eigenthümliche, 
an die Rachen- und Schlundzähne niederer Thiere, sowie an die 
Fleischanhänge im Schlünde einiger Haifische und Cetaceen erinnernde 
Einrichtung der Speiseröhre zu zeigen. Diese ist nämlich auf ihrer 
ganzen innem Fläche mit vielen grössern und kleinern Spitzen be- 
setzt, die einwärts und abwärts gerichtet und wohl bestimmt sind, 
theils die Speiseröhre zu beschützen, theils den Rücktritt der Nah- 
rung zu verhindern. Sie bestehen aus den beiden innern Häuten der 
Speiseröhre und einem festen Epithelium, welches nach den Spitzen 
zu viel dicker wird und diese hornartig und stachelig macht ; in dem 
obern Theile des Schlundes stehen sie am dichtesten und sind dort 
auch am längsten und steifesten; gegen den Magen zu werden sie 
allmälig seltener, kleiner, .weicher und minder zugespitzt; die ein- 
zelnen Arten scheinen sie nicht wesentlich verschieden zu haben, wohl 
aber sind sie in der Jugend verhältnissmässig grösser; im Leben sind 
sie einer deutlichen Turgescenz und Aufrichtung fähig *). 

Fig. vin. 

Der Speisekanal einer fliegenden Eidechse, Draco viridis, 
in natürlicher Grösse und Lage; er wurde gewählt, um in einer 
Abbildung ein Beispiel von geringer Spaltung der Zunge, von kropf- 
artigem Anhange der Speiseröhre und von einem Blinddarme zu ge- 
ben, a Die weiche, sammetartige , nur an der Spitze eingekerbte 
Zunge, welche, wie bei der Mehrzahl der Eidechsen, den Raum, 
den der Unterkiefer bildet, schon mehr als in den vorigen Ordnungen 
ausfüllt, b Der Kehlkopf, von welchem aus die Luftröhre in einem 
links gewandten Bogen um die Mündung des Kehlsackes herum nach 
hinten läuft, c Die eben genannte ovale OefFnung, die in den Kehl- 
sack d führt, der noch mit den allgemeinen Decken überzogen ge- 
zeichnet ist; alle Häute des Rachens dringen durch die OefFnung in 
den Sack hinein, dehnen sich mit diesem seitlich und besonders nach 
vorn und hinten aus und kleiden den ganzen, einer bedeutenden Er- 
weiterung und muskulösen Verengerung fähigen Kehlanhang innerlich 
aus. Es ist interessant, dass unter allen Amphibien gerade die flie- 
genden oder doch flatternden Eidechsen eine Bildung zeigen, welche 
mit dem Kröpfe der Vögel viele Aehnlichkeit hat; und wie das häu- 
fige Vorkommen von Ameisen und andern kleinen Insekten in dem 
Sacke beweist, gewiss eine ähnliche Funktion hat. e die ziemlich 
enge inwendig mit Längsfalten versehene Speiseröhre, f der ganz 



*) Dies habe ich in London bei vielen Schildkröten, die in meiner Ge- 
genwart geschlachtet wurden, beobachtet; — den Unterschied, den 
Meckel (vergl. Anatomie Th. IV. S. 379) in Ansehung dieser Spitzen 
von Chelonia Mydas und imbricata angiebt, halte ich nach meinen 
Beobachtungen nicht für beständig,* sondern in grösserer und gerin- 
gerer Turgescenz derselben und in Altersverschiedenheiten der Thiere 
begründet; der Schlund einer erwachsenen Caretta, der mir noch heute 
vorliegt, zeigt sich in Bezug auf diese Spitzen weder von dem der 
esculenta noch von dem der Cophalo verschieden. 



senkrecht stehende, nur wenige innere Falten zeigende Magen; er 
ist durch eine ringförmige Klappe deutlich vom Darmkanale abge- 
gränzt. g g der ziemlich kurze Dünndarm, h der nach hinten um- 
gebogene Blinddarm, i der Dickdarm. /; die eine quere Spalte 
darstellende Oeffnung der Cloake. 

Fig. IX. 

Der Kopf des gemeinen Chamäleon, Chamaeleo carina- 
tus, in natürlicher Grösse und so dargestellt, als wenn das Thier 
eine Fliege haschen wollte und die Zunge in dieser Absicht schon 
halb ausgestreckt habe. Bau und Bewegung dieses Organes sind ganz 
eigenthümlich ; es liegt nämlich dasselbe, im Zustande der Ruhe, in der 
gßschlossenen Mund- und Rachenhöhle zusammengefaltet, und gleicht 
? dann in seinem vorderen Theile einer Zunge, wie sie in benachbarten 
> Familien der Saurier vorkommt; nur ist sie ungespalten, beträchtlich 
( dicker, höher und oben gewölbter und erfüllt dann die tiefe Höhle 
\ des Gaumen ganz und gar; sie hat in diesem Zustande bei dem le- 
benden Thiere nicht wenig Aehnlichkeit mit der dicken fleischigen 
Zunge der Papageien. Gewahrt nun das Chamäleon ein ihm zusa- 
gendes Insekt, so betrachtet es dasselbe lange mit unverwandtem 
Blicke und grosser Lüsternheit , schleicht si(*h vorsichtig näher, öffnet 
den Mund und streckt die Zunge hervor. Letzteres und das Fangen 
der Beute geschieht aber nicht wie bei den Schlangen und anderen 
Eidechsen durch eine Art raschen Leckens, mit Umbiegung der Zun- 
genspitzen und dadurch geschehender Ergreifung der Beute ; sondern 
die Zunge wird anfangs wenig und langsam vorgestreckt, schwillt 
dann sichtlich an, zumal an ihrem vorderen Ende, wird steif und 
gerade, an der weichen und mit klebrigem Schleime angefeuchteten 
j Zungenspitze abgeplattet und trichterförmig eingezogen und so plötz- 
) lieh und rasch, gleich einer Lanze, auf das Insekt zugestossen; die- 
i ses klebt nun theils an, theils wird es von den sich zusammenzie- 
{ henden Rändern der trichterförmigen Grube und der sich etwas auf- 
i wärtsbiegenden Spitze der Zunge gefasst und so mit der rasch zu- 
j rückgezogenen Zunge in den Mund gebracht. Diese Ausstreckung 
' der Zunge, welche ich oft bis zur Länge eines halben Fusses ge- 
schehen sah, erfolgt theils durch Muskelwirkung, theils durch Tur- 
gescenz fast wie in dem männlichen Gliede. Die ungemein lange 
Zunge ist nämlich durchaus hohl und mit einer derben fibrösen Haut 
ausgekleidet; in dieser Höhle liegt das lose bei einem ausgewach- 
\ senen Thiere wohl anderthalb Zoll lange, cylindrische vordere Ende 
i des Zungenbeines, umgeben mit einer, viel Flüssigkeit enthalten- 
5 den, Bursa miicosa vaginalis, wodurch es leicht in der Zunge 
t hinuntergleiten kann. Will das Thier nun die Zunge vorstrecken, 
I so verkürzt es die starken vom Kinne zum hintern Ende des Zungen- 
( beines verlaufenden Muskeln und verengert gleichzeitig die aus ring- 
( förmigen Muskelfasern bestehende bis dahin schlaffe und um den 
\ Stiel des Zungenbeines dicht zusammengefaltete Zungenwurzel, und 
\ streckt diese somit, — eine Falte nach der andern ausglättend, be- 
{ deutend nach vorn. Das Anschwellen und Steifwerden des vorderen 
? Theiles der Zunge scheint zum Theil dadurch bewirkt zu werden, 
\ dass die in der langen Bursa mueosa befindliche reichliche Flüs- 
\ sigkeit durch die Verengerung der eine Fleischscheide bildenden 
( ringförmigen Muskelfasern der langen Zungenwurzel nach vorn ge- 
( drängt wird und so die Spitze der Zunge fast in der Art ausdehnt 
( und erigirt, wie es die Pedicelli der Seesteme werden. Das Mei- 
) ste aber zur Anschwellung und Ersteifung der Zunge scheint auf 
{ ähnliche Weise, wie beim männlichen Gliede, zu geschehen, d. h. 
durch Blutanhäufung vermittelt zu werden. Es verläuft nämlich, 
wie ich an einem von mir glücklich injicirten Exemplare sehe, auf 
jeder Seite der Zunge eine verhältnissmässig starke Arterie, um sich 
in dem aufschwellbaren vorderen Theile dieses Organes zu verästeln, 
und sich allmälig in zahlreiche Venengeflechte umzubilden, welche 
sich in dem laxen Zellgewebe zwischen der innern fibrösen Haut der 
) hohlen Zunge , und den umgebenden Muskelschichten vorfinden ; 
| auch sieht man bei dem lebenden Thiere die Zunge in dem Maasse, 
i wie sie anschwillt, von dem sich ansammelndem Blute dunkler wer- 
' den. a Die, den vorderen langen Fortsatz des Zungenbeines ent- 
) haltende, noch sanft gefaltete Zungenwurzel, welche aus der tief in 






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13 



du Mundhöhle sichtbaren Oeffnimg ihrer Scheide hervortritt, b das 
vordere , dickere und erigirbare Kode der Zunge, c d cf der obere 
scharf abgesonderte, der Zunge anderer Eidechsen entsprechende 
Theil derselben; ihr hinterer Theil (c) *) zeigt zwar viele Poren 
von Schleimdrüsen, ist aber fast noch derber und ärmer an Ge- 
schmackwärzchen als der vordere Theil (tf cf) , welcher eine Menge 
querer aus Geschmackwärzchen bestehender Falten trägt, zwischen 
welchen Reihen von sehr zahlreichen Drüsenöffnungen stehen. Die- 
ses vordere und obere Ende kann durch eigne, in der Höhle der 
Zunge gelegene und an ihrer innern fibrösen Auskleidung angehef- 
tete, Muskelbündel nach innen gezogen und in eine trichterförmige 
mit hervorquellendem Schleime befeuchtete Grube (e), welche oben 
von einem wulstigen Rande (rf), unten aber von der hier noch nicht 
ganz verkürzten Zungenspitze (/) begrünet wird, verwandelt werden. 

Fig. X. 

Der Kopf, Schlund und Magen des Yacare, Crocodilus 
sclcrops, um ein Dritttheil verkleinert und von der Seite dargestellt, 
doch so, dass der Magen von links nach rechts etwas umgedreht 
ist. Es wurde diese Figur zum Schlüsse gewählt, indem die hier 
zuerst gelingende Scheidung, der Mund- und der Rachenhöhle, so wie 
die grössere Länge des Schlundes und die deutliche Vogelähnlich- 
keit des Magens einen Uebergang zu der folgenden Thierklasse bil- 
den, a Die beiden Nasenlöcher; von ihnen laufen die langen Na- 
sengänge durch den ganzen Oberkiefer und endigen sich, wie bei 
den Säugethieren, erst hinter dem Gaumensegel, b die Ohrklappe, 
welche das Trommelfell bedeckt, c die flache , aller eigenthümlichen 



Beweglichkeit entbehrende und mit vielen Drüsenöffnungen versehene 
dreieckige Zunge ; — sie ist mit einem dicken, warzigen, gelben Horn- 
überzuge bekleidet, und hinten scharf abgeschnitten und in eine wei- 
chere Haut übergehend, welche sich beim Oefihen des Mundes zu 
einer queren , fest an das Gaumensegel sich anlegenden Falte erhebt. 
d Das Gaumensegel; es ist, obgleich in der Mitte tief ausgeschnitten, 
doch so lang, dass es mit der eben angeführten hinter der Zunge ge- 
legenen Hautfalte die Mund- und Rachenhöhle völlig von einander ab- 
gränzt, und beim Erhaschen der Beute, das Eindringen des Wassers in 
die Luft- und Speiseröhre verhindert, e der lange fleischige, innerlich 
stark gefaltete und einer grossen Erweiterung fähige Schlund, ffhhig 
Der Magen, so aufgehoben und umgedreht, dass man seine untere 
oder Bauch-Seite sieht; er ist deutlicher als in den übrigen Amphi- 
bien, von der Speiseröhre abgesetzt und länglich rund, so aber, dass 
sein grösster Durchmesser fast in der Quere liegt; — seine Fleisch- 
haut ist ungemein dick, zumal in der Mitte des obern und des un- 
tern Randes (bei h h) , und die Muskelfasern gehen wie bei den Vö- 
geln von einer scheibenartigen hellen Sehne (/) aus, die sich in der 
Mitte sowohl der Bauch- als der Rückenfläche des Magens zeigt. 
Die innere Haut ist dick und derb, doch noch ziemlich weich und 
drüsenreich und in viele geschlängelte unregelmässige Falten gelegt; 
in ihrer Höhle fanden sich die hornigen Ueberbleibsel grosser Was- 
serkäfer, g der zweite oder kleinere Magen, welcher an der Bauch- 
seite und nahe an dem obern Rande des grossen Magens mit einer 
engen Oeffnung entspringt, dünnwandiger als der grosse Magen ist, 
einige Längsfalten, und bei dem Uebergange in den Darm eine 
ringförmige starke Pförtnerklappe zeigt, k Der Anfang des Darmes. 

D. Otto. 






s t e 



Tafel. 



Die Klasse der Vogel lasst in den Formen ihrer Verdammgsorgane , von welchen hier einige merk- 
würdige Beispiele zur Erläuterung kommen, eine deutliche Verwandtschaft mit der Klasse der Lurche keines- 
weges verkennen. Die Aehnlichkeit , welche namentlich bei dem ganz jungen Vogel durch den weiten trich- 
terförmigen Eingang des Dauungskanales mit dem Eingange der Batrachier gegeben ist, erläutert Fig. I — III 
bei Motacilla. Ferner die merkwürdige Gleichförmigkeit des ganzen Dauungskanales und unbedeutende Ent- 
wicklung des Magens, welche Lund bei Euphorie entdeckte, zeigt Fig. IV — VI. Ausgezeichnet ist ferner, 
wie in den Vögeln, welche durch hohen Stand der Respiration und Muskelkraft im Allgemeinen ausgezeich- 
net sind, dieses auch auf Entwicklung der Muskelkraft im Darmkanal Einfiuss hat, eine Entwicklung, wel- 
che insbesondre in dem eigentlichen Magen, auch Körnermagen genannt, sich erkennen lässt. Schon bei 
schwächern Wänden ist die starke rotatorische Bewegung desselben merkwürdig und sie wird durch Fig. 
YII — IX bei Cuculus erläutert. Fig. XI — XIII giebt dann das Beispiel aus der den Säugethieren näher ge- 
stellten Familie der straussenartigen Vögel (bei Bliea grisea), wo vorzüglich der Drüsenapparat am Magen 
sehr dem einiger Säugethiere (z. B. des Bibers) nahe kommt. Während Fig. XIV — XIV den Verdauungs- 
apparat aus der niedrigsten Familie der Vögel (Schwimmvögel) darstellt (bei Procellaria) , wo die starke hor- 
nige Bewaffnung des Körnermagens sehr an die Bewaffnung der Magen mancher Mollusken erinnert. 



Erklärung der einzelnen Figuren. 



Fig. I. 
Ein noch nicht flügges Junges vom Rothschwänzchen (Mo- 
tacilla jihoenicurus. L.). Der ganze Dauungskanal ist freigelegt und 
der Körper nur im Umrisse angedeutet, a Die weite trichterförmige 
Mündung des aufgesperrten Schnabels, b Spalte der hintern Nasen- 
löcher, c Zungenspitze, d Zungenbein, e Luftröhre und deren 
unterer Kehlkopf, / Schlund, g Drüsichter Vormagen, h Körner- 



I magen. i Pförtner, m k Der in eine längliche Schlinge zusammen- 

J gebogene, das Pankreas (m) zwischen sich haltende Zwölffingerdarm. 

^ n Dünndarm, gröbere Darmstoffe enthaltend, bei o aufgeschnitten, 

| um die wellenförmigen zarten Darmfalten zu zeigen, p Dickdarm 

j mit den beiden Blinddärmen, r Die geöffnete Cloake. s Bursa 

j Fabricii. t Rest des Dotters, durch den Ductus vitelli dem Darme 

t verbunden. 



*) J. Houston , on the Structure and Mechanism of tongue of the Chameleon in the Edinburgh new philos. Journal , cond. by R. Jameson. April — 
Octob. 1829. S. 161. beschreibt mit Unrecht diesen Theil der Zunge als eine eigene Schleimdrüse. 

IV. 4 



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14 



Fig. II. 
Geöffneter Magen und Vormagen desselben Thieres. « Län- 
genfalten des Schlundes, b Muskelschicht des Körnermagens , c de- 
ren innere Fläche, d Das etwas abgelöste dick hornige Epithelium 
des Körnermagens, e Pförtner. / Milz. 



Fig. III. 

Ein Stückchen Drüsenschicht des Vormagens, vergrössert dar- 
gestellt. 



a deren äussere Muskelschicht. 



Fig. IV. 
Eine neue , der Euphorie violacea nahe stehende Art oder Va- 
rietät dieser Gattung, an welcher der Darmkanal freigelegt ist, und 
in welcher der Magen etwas mehr als in der von Lund beschriebe- 
nen Art (Euphorie violacea) entwickelt ist. a Kropfartige Erweite- 
rung des Schlundes ; b unterer Kehlkopf der Luftröhre, c Niederzie- 
hender Muskel der Luftröhre, d Fortsetzung des Schlundes, e Der 
nur schwach entwickelte und ein Continuum von Schlund und Darm 
darstellende Magen. / Leber, g Herz, h Zwölffingerdarm, i die 
übrigen Darmschlingen (die wellenförmige Faltung der Innenfläche 
durchscheinend), k Das neben der Crista getrennte Brustbein mit 
den grossen Brustmuskeln. 

Fig. V. 
Nach Lund (Dissertatio de genere Euphones. Hafn. 1829.) 
aufgeschnittene Magengegend des Dauungskanales der Euphorie vio- 
lacea. a Längenfalten des Schlundes, b Andeutung des Drüsen- 
magens und c des Körnermagens, d Wellenfaltung des Darmes. 

Fig. VI. 
(ebendaher). Die beiden Blinddärmchen der Euphone. 



Fig. VII. 






Getrocknete vordere, und 



Fig. VIII. 
hintere Wandung des Körnermagens vom Kukuk (Cuculus canorus) 
von der Innenfläche gezeichnet, und zwar von einem Vogel genom- 
men, welcher eben längere Zeit von Bärraupen gelebt hatte, deren 
zackiges Haar dann in dem weichen Epithelium des Magens sich 
eingestochen und in Folge der rotatorischen Bewegung sich derge- 
stalt zusammengelegt hat, dass alle Spitzen in vielfachen Kreisen 
nach einer Richtung geneigt sind, welches mitunter Veranlassung 
gegeben hatte, dieses Haar irrigerweise als eigenthümliche Behaa- 
rung des Magens selbst anzusehen. — 

Fig. IX. 
Ein Stückchen von Epithelium dieses Magens nebst einigen an- 
hängenden Raupenhaaren mikroskopisch gezeichnet um die Art wie 
dieses Einheften zu Stande kommt deutlich zu machen ; nämlich ver- 
möge der aufwärtsgerichteten Dornen dieser Haare, welche deutlich 
abgebrochen und also ohne Bulbus in dieser weichen Masse stecken. 



Fig. X. 
Zunge und Mundhöhlenboden eines jungen americanischen 
Strausses (Rhea griseä) in natürlicher Grösse, a Mundhöhlen- 
boden zwischen den Unterkieferästen, b Zunge, deren Kleinheit und 
hinten freistehende Ränder eine Aehnlichkeit mit der Zunge mancher 
Lurche darstellt und zugleich anschaulich macht , dass die Entstehung 
einer Epiglottis der Säugethiere auf Wiederholung der Zungenform 
früherer Klassen beruht, c Die Spalte der Glottis mit weichen wul- 
stigen Lippen, d Gegend der Zungenbeinhörner. e Eingang zum 
Schlünde. / Abgeschnittene Luftröhre. 

Fig. XI. 
Geöffneter Magen desselben Thieres in natürlicher Grösse, a 
Längenfalten des Schlundes. 6 Drüsichte Masse am Eingange des 
Magens, durch welche der Vormagen angedeutet wird, c Deren 
Innenfläche mit Oeffnung der Drüsenbälge, df Innere callöse hor- 
nige Schicht vom Epithelium des Magens, e Zwischen demselben 
zum Vorschein kommende weiche Fläche der Schleimhaut, g Pfort- 
nermündung, h Aussenfläche des Magens, i Zwölffingerdarm. 

Fig. XII. 
Steine aus diesem Magen. 

Fig. XIII. 
Der ganze Tractus der Verdauungsorgane aus demselben Thiere 
uneröffnet freigelegt, und um die Hälfte verkleinert, a Schlund. 
b Andeutung des Vormagens, c d Magen, e Anfang , / Anschwel- 
lung des Zwölffingerdarms, gh iklmnr Windungen des Dünn- 
darms , an welchem sich zwischen k l der Rest des Dotters y mittels 
des Ductus vitello -intestinalis anhängend zeigt, s s' 1 1' Anfang 
und Ende der in ihrem Verlaufe Colon - artig angeschwollenen Blind- 
därme, u v Mastdarm, w Cloake. x Ruthe. 

Fig. XIV. 
Dauungskanal des Eis-Sturmvogels (Procellaria glacia- 
lis *) ) um 1 verkleinert, a Zunge, b hinterer zum Theil freier 
Rand derselben, c Glottis mit ihren Seitenzähnen, d Zungenbein- 
hörner. c' Abgeschnittene Luftröhre, e Eingang in den Schlund. 
f Speiseröhre, g der sehr erweiterte Drüsenmagen, welcher hier 
zugleich als eine Art Kropf dient, h Körnermagen, i Zwölffinger- 
darm, k l Die acht einzelnen merkwürdigen Schlingen der Därme, 
deren gewöhnlich sonst nur eine gebildet wird, m Mastdarm mit 
den zwei Blinddärmchen. 

Fig. XV. 
Der geöffnete Körnermagen mit der merkwürdigen Bewaffnung 
durch das starke, in einzelne Hornzähne getheilte Epithelium. Er 
enthielt eine Menge Sepienschnäbel. 

Fig. XVI. 

Ein einzelnes Stück von diesem Epithelium, wenig vergrössert. 

D. Carus. 



Siebente Tafel. 

Diese Tafel macht den Anfang mit Darstellung der schon viel mannichfaltigeren Verdauungswerkzeuge 
der Säugethiere; sie soll daher die hauptsächlichsten Formen des Mundes geben, welcher durch Festigkeit 
des in den vorigen Klassen meistens sehr beweglichen Kiefergerüstes , durch völlige Absonderung von der 
Nasenhöhle, sowie durch Scheidung von der Rachenhöhle vermittelst des Gaumensegels sich auszeichnet. 



*) Die Mittheilung der früher noch nicht beschriebenen Eingeweide dieses Vogels verdanke ich meinem geehrten Freunde Thienemann, welcher sie 
von Island mitbrachte. 






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15 

Die schon früher als Theile des Mundes erkannten Organe sind in dieser Klasse, wo die Speisen länger in 
der Mundhöhle verweilen und zuerst wahrhaft gekaut und allgemeiner als in den vorigen Thierklassen ge~ 
schmeckt werden, natürlich auch deswegen zusammengesetzter und vollkommener. 



Erklärung der einzelnen Figuren. 



Fig. I. 

Der um die Hälfte vergrößerte Kopf einer mexikanischen 
Fledermaus, welche mit Ausnahme des weissen Striches an jeder 
Seite des Gesichts völlig mit Phyllosloma perspicillatum Geoffr. 
übereinstimmt. Da dieses Thier sich das ganze Leben hindurch, 
wenigstens vorzugsweise, durch Blutsaugen an Menschen und Thie- 
ren ernährt, so dürfte es am geeignetsten seyn, diejenige Art des 
Saugens darzustellen, bei welcher der Mund durch feste und luft- 
dichte Andrückung seiner Ränder an eine wundgebissene Fläche 
gleich einem Schröpfkopfe saugt. Das gewöhnliche, allen Säuge- 
thieren in der Jugend zukommende, Saugen an den Brüsten der 
Mütter ist nämlich schon früher (Heft. III. Tab. IX. Fig. V.) durch 
Abbildung eines aus der Bauchtasche genommenen Embryo von Di- 
delphis Azarae am deutlichsten gemacht worden, insofern bei den 
Beutelthieren der später so sehr weitgespaltene Mund, anfangs durch 
die der mütterlichen Brustwarze entsprechende kleine runde OefF- 
nung, und riemenförmige Bildung des Gaumens und der Zunge sehr 
zweckmässig zum Saugen und gleichzeitigem Festhängen an der 
Brustwarze eingerichtet ist. a Das Nasenblatt, b b Die Ohren, c c 
Die Ohrdeckel, d Die Oberlippe, welche an ihrem äussern Rande 
mit einer grossen Menge weicher und runder Fleischwarzen, die 
nach den Mundwinkeln zu an Grösse abnehmen, besetzt ist. Ausser 
diesen Höckern ist die Oberlippe noch auf jeder Seite mit vielen 
langen und weichen Spitzen oder Blättern versehen, welche am in- 
nern Rande der Lippe mit ihrer Hautfläche aufsitzen, mit den Spiz- 
zen aber einwärts nach den Zähnen zu gerichtet sind. Ueber die- 
ser den Rand einnehmenden Reihe solcher längerer Blätter befinden 
sich, zumal in der Gegend des ersten Backenzahnes, noch mehrere 
kleinere, ebenfalls nach Innen gerichtete Fleischspitzen, e Die Un- 
terlippe; sie ist gleich der Oberlippe an ihrem äusseren Rande mit 
weichen rundlichen Höckern, an ihrer inneren Kante aber mit spitzen 
Blättern besetzt, welche denen an der Oberlippe in Zahl und Rich- 
tung entsprechen; vorn aber in der Mitte findet sich ausserdem ein 
grösserer Höcker, und unter diesem, wie vielleicht bei allen Phyllo- 
stomen, eine halbmondförmige Reihe weicher Fleischwärzchen, die 
ebenfalls zum festeren Andrücken der Lippe dienen mögen, ff 
Zwei starke, wellenförmige Falten der inneren Mundhaut; sie stehen 
auf jeder Seite zwischen der Unterlippe und dem Unterkiefer, und 
helfen wohl beim Verschliessen des Mundes, g Die Zunge, welche 
auf ihrer obern Fläche überall mit feinen härtlichen, rückwärtsge- 
wandten Spitzen besetzt ist; nur vorn, gegen die Spitze der Zunge 
hin, findet sich eine Gruppe weicherer und längerer Geschmack- 
wärzchen, welche in einer rundlichen und sehr flachen Grube stehen 
und beim Blutsaugen gewiss vorzugsweise erregt werden, h Der 
Gaumen; er ist mit vielen härtlichen Höckern versehen, welche vorn 
fünf regelmässige mit ihrer Oeffnung nach hinten gerichtete Bogen 
bilden, hinten aber, wo ste zugleich kleiner werden, unregelmässiger 
gestellt sind. 

Fig. II. 

Der vordere Theil des Kopfes von einem Hasen, Lepus ti- 
midus, in natürlicher Grösse; er ist bestimmt nicht bloss im Allge- 
meinen die Einrichtung des Mundes bei den Nagern abzubilden, son- 
dern auch zugleich ein starkes Beispiel von der beim Menschen und 
den meisten Säugethieren nur als krankhafte Bildung vorkommenden 
Spaltung der Oberlippe, sowie von der bei vielen Säugethieren *) 
vorhandenen inneren Behaarung des Mundes zu geben, a Die Nase. 



b b Die beiden Hälften der gespaltenen Oberlippe, c Die Unter- 
lippe, welche, wie die obern, an ihren aufeinanderpassenden Rän- 
dern überall fein behaart ist. d Die weiche mit vielen Geschmack- 
wärzchen versehene Zunge, e e Die beiden oberen in der Backe an 
die Schneidezähne zur seitlichen Schliessung der Mundhöhle sich an- 
legenden Höcker, welche der Anfang einer nach hinten verlaufen- 
den, allmälig schwächer werdenden Falte der innern Mundhaut sind. 
ff Ein Paar ähnliche, ebenfalls nach hinten in eine Falte auslau- 
fende Höcker, welche sich an die untern Schneidezähne anlegen. 
g Die behaarte Stelle in der rechten Backe; sie erstreckt sich vom 
Mundwinkel fast bis zum ersten Backenzahne, und wird nach oben 
und unten von den eben erwähnten vorspringenden und nach hinten 
convergirenden Falten begränzt; die zum Theil mehrere Linien lan- 
gen und steifen Haare sind alle einwärts und nach hinten gewandt 
und erfüllen die ganze Lücke, die sich jederseits zwischen den 
Schneide- und Backen - Zähnen findet. 

Fig. III. 

Der Kopf eines Ziesels, Arctomys Citillus, in natürlicher 
Grösse von vorn und unten angesehen; — der Mund ist weit ge- 
öffnet und die Mundwinkel sind etwas nach Aussen gezogen, um in 
einem Bilde den ganzen Apparat der Beckentaschen zeigen zu kön- 
nen. Auf der rechten Seite des Kopfes ist nur die Haut wegge- 
nommen worden , auf der linken wurden aber auch, um die Backen- 
tasche ganz frei zu zeigen, die oberflächlichen Muskeln^ Gefässe 
u. s. w. entfernt, a Die Nase, b b Die tiefgespaltene Oberlippe, 
welche sich auf beiden Seiten in einen neben den oberen Schneide- 
zähnen gelegenen und mit Haaren besetzten Wulst nach Innen fort- 
setzt, c Die Unterlippe, d d Die beiden neben den unteren Schnei- 
dezähnen stehenden Höcker der inneren Mundhaut. e Die in der 
Mitte gefurchte und mit vielen weichen kleinen Geschmackwärzchen 
versehene Zunge, f Der Gaumen, welcher unmittelbar hinter den 
Schneidezähnen einen grossen Höcker, dann aber bis in die Gegend 
des letzten Backenzahnes eine doppelte Reihe bogenförmiger Erha- 
benheiten trägt, g g Der vordere Rand des mit sehr dünner Mund- 
haut überkleideten Masseter ; er bildet die hintere Gränze der Oeff- 
nung der Backentasche, h h Die in den Backen gelegenen weiten 
und nach vorn runden Eiergänge der Backentaschen, i Die rechte 
Backentasche; sie wird von einer dünnen Muskelhaut bekleidet, wel- 
che von dem Halstheile des Unterhautmuskels herrührt. Unterhalb 
der Beckentasche verläuft ein schmales Bündel von starken Muskel- 
fasern, welche vom Hautmuskel in der Rücken- und Schultergegend 
kommend, zur Unterlippe gehen; vorn beim Mundwinkel sieht man 
die stärkeren Fasern des Ringmuskels des Mundes, h Die linke, 
auf dem starken Masseter ruhende Backentasche, von den sie be- 
deckenden oberflächlichen Muskeln, dem Zellgewebe u. s. w. befreit; 
sie besteht aus einem Beutel der sehr fein werdenden Mundhaut 
über welchen sich feine Fasern des Trompetermuskels legen, welche 
der Länge nach verlaufend, sich am blinden Ende der Backentasche, 
stärker werdend, in einen eignen Rückwärtszieher vereinigen, wel- 
cher unter dem Hautmuskel schräg nach hinten und unten zur vor- 
dem Spitze des Brustbeines herabgeht. Diese Muskelfasern können, 
jenachdem mehr ihr vorderer oder ihr hinterer Theil wirkt, die 
Backentasche sowohl verkürzen als verlängern, und dienen mithin 
gleich sehr bei der Ausleerung wie bei der Anfüllung dieses Behälters *). 



*) Die innere Behaarung der Backen fand ich ausser den bekannten an- 
deren Nagern noch bei Arctomys Citillus, beim Pteromys, Hystrix 
prehensilis, beim Agouti und beim Paca; Lichtenstein beobach- 
tete sie auch bei Ascomys canadensis; sie kommt aber nicht bloss 



den Nagern «B, denn ich fand sie auch bei Myrmecophaga didaetyla, 
und bei Manis pentadaetyla und tetradaetyla. 
*) Beim Paca finde ich diesen Muskel auch am vordem Ende des Brust- 
beines angeheftet, während andere Nager mit grösseren Backentaschen 
ihn weiter rückwärts an der Schlüter und selbst an den Lendenwirbeln 
ansitzend zeigen. 

4 * 



16 



l l Die beiden Hälften des Unterkiefers, m Die vordere Spitze des j 
Brustbeines, n Die rechte Schulter, o die linke Schulter, p Der J 
durch den Hautmuskel durchscheinende Rückwärtszieher der rechten jj 
Backentasche. 9 Derselbe Muskel auf der linken Seite, blossgelegt. 
r r Die grossen Brustmuskeln, s s Die Augen, t l Die kurzen 
Ohren. 

Fig. IV. 
Der Kopf von Ascomys eanadensis Lichtenst., oder Sacco- 
phorus bursarius Kühl, in natürlicher Grösse von der linken Seite, 
ein Beispiel äusserer Backentaschen gebend. Die Zeichnung ist nach 
einem ausgestopften Exemplare im hiesigen zoologischen Museum, 
an welchem aber die Säcke fälschlich nach aussen umgekehrt sind, 
so angefertigt worden, dass die äussere Backentasche ihre normale 
Lage einnimmt. Es liegt dies merkwürdige Organ seitwärts an der 
Backe dicht unter dem ungemein gewölbten und hervorragenden 
Jochbogen, an der äussern Seite des nur schmalen Unterkiefers und 
mag, wenn es sehr ausgedehnt ist, mit seinem hintern blinden Ende 
mehr oder weniger bis zum Halse herabhängen. Innerlich ist dieser 
Sack mit einer dünnerwerdenden Fortsetzung der äusseren Haut be- 
kleidet und überall mit feinen braunen Haaren besetzt. Der Ein- 
gang zu dem Sacke ist eine längliche, nahe am Mundwinkel flach 
beginnende und nach hinten immer tiefer werdende Spalte, deren 
oberer Rand durch eine stark hervorspringende Hautfalte, welche 
die Spalte wohl zu verschliessen geeignet ist, begränzt wird. Dass 
dieses Organ -wirklich eine äussere Backentasche sey, lässt sich nicht 
bezweifeln; es hat mithin gar keine Aehnlichkeit mit der Grube an 
der Backe des Paca, die eine blosse Einsenkung der Haut unter 
dem ungeheuren Jochbogen ist, sehr wahrscheinlich bei starker An- 
füllung der inneren wahren Backentaschen ganz verschwindet, und 
wie ich gefunden habe, bei dem neugebornen Paca, bei welchem 
der Jochbogen und die inneren Backentaschen verhältnissmässig noch 
klein sind , ganz fehlt, a Die stärkste Hervorragung des Jochbogens, 
wo der Schädel eine Breite von zwei Pariser Zollen und zwei Li- 
nien hat, und somit fast breiter als überhaupt lang ist. 6 Die unter 
dem Jochbogen hervorragende Hautfalte, c Die nur massig ausge- 
dehnte äussere Backentasche, d Der Eingang zu dieser. 

Fig. V. 

Die rechte Hälfte des Kopfes eines jungen Delphinus Delphis *) 
von Innen angesehen, und um die Hälfte verkleinert. Der Kopf ist 
so gespalten worden, dass die Zunge und der Schlund ganz blieben; 
erstere ist zugleich etwas nach der linken Seite gezogen worden, a 
Die leere Schädelhöhle, b Der rechte Gelenkhöcker des Hinter- 
hauptbeines, c Der Oberkiefer, d Die Pflugschaar. e Die Spitze 
der rechten Unterkieferhälfte, ff Die zwischen der oberen Fläche 
des Schädels und der Haut gelegene Speckmasse, g Die Zunge; 
sie liegt grade und wenig beweglich auf dem Boden der Mundhöhle 
und ist bei g, wo sich ein kurzes Zungenbändchen findet, angehef- 
tet; ihre Seitenränder sind gerade und in einer scharfen Kante aus- 
laufend; ihr vorderes etwas breiteres Ende ist stark gefranzt; — 
die ganze Oberfläche ist mit einem dicken glatten Epithelium über- 
zogen und zeigt auch nicht die mindeste Spur von Geschmackwärz- 
chen, wohl aber eine grosse Menge feiner Oeffnungen der an der 
Zungenhaut befindlichen kleinen Schleimdrüsen, h h Die innere von 
der Zunge bis zur rechten Unterkieferhälfte sich erstreckende Mund- 
haut; sie ist hinterwärts gefaltet, weil die Zunge etwas nach links 
und unten gezogen ist. i Dieselbe Haut der linken Seite, herab- 
hängend, h Die zahlreichen kleinen Drüsenöffnungen auf dem hin- 
teren Theile der Zunge. I Grössere Drüsenöffnungen an der Wur- 
zel der Zunge; einige sind einfache Krypten mit enger Oeffnung; 
andere haben grössere Mündungen und sind innerlich durch Schei- 



dewände in mehrere Zellen abgetheilt *). m Eine Drüsengruppe, 
welche vielleicht die linke Tonsille vorstellt, n Dieselbe auf der 
rechten Seite, o o Gruppen von zahlreichen, zwischen der Zunge 
und m und n gelegenen Drüsenöffnungen, pp Drüsenöffnungen am 
Gaumensegel, q q r r Der doppelte , durch den bis in die Nasen- 
höhle hinaufragenden Kehlkopf abgetheilte Uebergang der Mundhöhle 
in den Schlund; von dem linken Gange q q, der durch die Fisch- 
beinsonde angedeutet ist, musste die äussere Wand abwärtsgelegt 
gezeichnet werden, während der rechte r r hinter dem Kehlkopfe 
fortläuft, s Der Schlund, in welchem sich beide Gänge hinter dem 
Kehlkopfe vereinigen, t Die abgeschnittene Luftröhre, u Der Kehl- 
kopf, v Das obere Ende desselben, welches in der Nasenhöhle 
steckt, w — z Der ganze Nasenkanal, durch welchen die silberne 
Sonde geführt ist. w Die Blashöhle, oder die gemeinschaftliche hin- 
tere, schräg aufwärts und vorwärts führende Abtheilung der Nasen- 
höhle, x x Die einfache zur Blashöhle aus dem Rachen führende 
Choana. yy Der vom Oberkiefer, Gaumenbeine, der Pflugschaar 
und dem vordem Keilbeine gebildete Nasengang der rechten Seite; 
er ist ziemlich eng, fast gerade aufsteigend und von den Seiten et- 
was zusammengedrückt; — in seinem untern, hier nicht sichtbaren, 
Theile öffnet sich die vom Ohre stark aufwärtssteigende Tuba eu- 
stachiana mit einer engen Mündung, welche noch obenein durch 
eine von dem aus der Mundhöhle kommenden Wasser andrückbaren 
Hautfalte verschlossen werden kann, z Das Spritzloch, Spiraculum, 
oder die, beiden Nasengängen gemeinschaftliche, äussere Nasenöff- 
nung; unter ihm sieht man die Spritzhöhle, d. h. die gemeinschaft- 
liche vordere, mit einem schrägen glatten Epithelium ausgekleidete 
und stark gefaltete Nasenhöhle, in welcher sich zwei von dünnen 
Knorpelplatten unterstützte muscbelartige Gebilde finden. Unten sieht 
man in dieser Spritzhöhle den rechten Nasenkanal geöffnet, und auf 
dieser mit einem dicken Epithelium überzogenen Stelle endigen sich 
die feinen durch die Siebplatte dringenden Fädchen , welche Manche 
für Riechnerven ausgeben, ich aber nach Untersuchungen an meh- 
reren frischen Delphinen nur für kleine Blutgefässe halten kann. — 
Hinter dieser Spritzhöhle zeigt sich die Oeffnung eines Kanales, wel- 
cher in der Quere läuft, sich an der äussern Wand der Höhle un- 
ter den Muscheln öffnet, und nichts Anderes als die Höhle der obe- 
ren querliegenden Muschel ist. — Auf der Stelle, wo die Nasen- 
gänge sich in die Spritzhöhle einsenken , findet sich nach Aussen 
eine vorspringende, das Wasser wohl herein, aber nicht zurücklas- 
sende Klappe, und nach vorn eine grosse fette mit Sehnen und Mus- 
kelfasern durchwebte Wulst, welche mit ihrer Convexität die Oeff- 
nung verschliesst und das Wasser ebenfalls nicht zurücklässt Da 
nun die Spritzhöhle überall mit vielen Muskelfasern umgeben ist, so 
kann sie das in ihr befindliche Wasser mit grosser Kraft durch das 
Spritzloch heraustreiben, und wenn dies geschehen ist, sich ganz 
und gar so zusammenziehen, dass alle Wandungen sich berühren 
und die Convexität der einen Muschel in die Concavität der anderen 
sich hineinfügt ; somit kann durch das gleichzeitig zusammengezogene 
Spiraculum von oben her kein Wasser in die Spritzhöhle eindrin- 
gen. In der Gegend der vorderen Muschel sieht man noch die Oeff- 
nung eines kleinen querliegenden, jederseits blind geendeten und mit 
Schleim angefüllten Kanales; seine Bedeutung ist mir nicht ganz 
klar; vielleicht dient er dazu, eine grössere Spannung der benach- 
barten Theile hervorzubringen. 



+) Er war in der Nähe von Nizza gefangen und mir lebend gebracht 
•worden, starb aber plötzlich mit Zuckungen, als ich in einem grossen 
Steinbehälter ihm frisches Seewasser geben Hess; er war etwa drei 
Fuss lang und zeigte die vorderen Zähne noch verborgen, die mitt- 
leren zwar hervorragend, aber noch mit Haut bekleidet, und nur die 
hinteren frei. 



*) Bei einem neugebornen Delphinus Phocaena fand ich die vom Kehl- 
kopf bis zur Spitze 3" lange , vorn stärker und feiner gefranzte Zunge 
bis zur äussersten Spitze angewachsen und nirgends frei, als am vor- 
dem Seitenrande; sie ist überall ohne Geschmackwärzchen und mit 
dicker Hornhaut bedeckt, driisenreich und in der Mitte ihrer Länge 
mit neun grossen fachichten Schleimdrüsen versehen, welche wie die 
Papulae vallatae einen gleich schenklichten Winkel bilden ; sie haben 
also die Stellung, aber nicht den Bau, der grossen Geschmackwärz- 
chen. — Was endlich die Nerven der Zunge hei 'Delphinus Delphis 
und Phocaena anlangt, so fand ich den nur in der vordem Hälfte der 
Zunge vertheilten Ast vom 5. Paare auffallend klein und nur von glei- 
cher Dicke mit dem N. hypoglossus mit dem er anastomosirte ; letzte- 
rer und der N. glossopharyngeus , welcher nicht bis an die Oberfläche 
der Zunge zu verfolgen ist, stehen im Verhältnis« zur Zunge und zei- 
gen nichts Abweichendes. 




>- 



I II I 



MMM 



17 



Fig. VI. 

Die Zunge von Myrmecophaga didactyla in natürlicher Grös- 
se; sie ist sehr lang, fast walzenförmig und ungemein elastisch, wel- 
ches davon herrührt, dass ihre eigenthümlichen Muskelfasern quere 
Ringe sind, welche eine Scheide für einen in ihrer Achse gelegenen 
langen und spindelförmigen Faserknorpel bilden. Die obere Fläche 
der Zunge ist vom mit feinen rückwärtsgekehrten ziemlich steifen 
Haaren besetzt, die nach hinten zu, wo die Zunge weicher und 
glatter wird, allmälig sich verlieren. Die Geschmackwärzchen, wel- 
che diesem Thiere ganz abgesprochen werden, fehlen doch nicht 
ganz, insofern sich wenigstens zwei verhältnissmässig grosse Pupil- 
lae vallatae auf der Zungenwurzel finden. Die Fähigkeit dieser, 
und verwandter Thiere, ihre wurmförmige Zunge eben so stark her- 
vorstrecken als zurückziehen zu können, ist darin begründet, dass 
Zungenbein und Kehlkopf sehr tief am Halse liegen, und die star- 
ken und langen Musculi geni o-hyoidei und genio-glossi die Zunge 
daher weit vorschieben können, während der mit dem hyoglossus ver- 
bundene, sehr dicke, runde und von einer eigenen starken Aponeurose 
überall umgebene sternohyoideus sehr tief am Brustbein angeheftet 
ist, und somit eben so bestimmt als kräftig die Zunge rückwärtszie- 
hen kann. Die Ingestion der Ameisen scheint wenig durch den fet- 
tigen, wohl nur Geschmeidigkeit bezweckenden, Saft der bekannten 
in der Backe gelegenen Drüsen, befördert zu werden, sondern viel- 
mehr durch die rückwärtsgerichteten steifen Haare der Zunge, durch 
ähnliche innerlich die Backen einnehmende Haare, durch den mit 
Höckern und vorspringenden Bogen versehenen Gaumen, sowie durch 
die röhrenförmige der Zunge ganz entsprechende Gestalt der Mund- 
höhle gut geschehen zu können. Auch erleichtert der aus zahlrei- 
chen, neben der Zunge gelegenen, Schleimdrüsen und aus den ver- 
hältnissmässig grossen Tonsillen abgesonderte Saft das Herunter- 
schlucken der von den breiten Unterkieferrändern gegen den Gaumen 
zerdrückten Ameisen *). a Der ungewöhnlich lange vordere freie 
Theil der Zunge, b Das Zungenbändchen. c Die beiden Pupillae 
vallatae. d Eine tiefe Grube, die sich hinter der Zunge bei deren 
Zurückziehung bildet. e Eine halbmondförmige Hautfalte , unter 
welcher sich dann die Zunge zurückzieht, f Der Kehlkopf. 

Fig. VII. 
Der Kopf einer jungen Manis pentadactyla, von vorn mit 
ausgestreckter und aufgebogener Zunge. Hier Verhält sich der Mund 
und die Zunge ähnlich. Die Mundöffnung ist klein und dadurch 
noch fester geschlossen, dass die Seitentheile der Oberlippe weit 
über die der untern hinabreichen. Auch hier sind die Backen in- 
nerlich mit vielen rückwärtsgewandten Haaren besetzt. Die Zun<re 
sehr lang, locker angeheftet und eben so weit vor- und rückwärts- 
schiebbar wie bei den Ameisenfressern, ist fast überall auf ihrer 
obern Fläche mit feinen rückwärtsgerichteten Haaren besetzt; nur 
an der Wurzel finden sich drei in ein Dreieck gestellte Pupillae val- 
latae. Die Spitze der breiten, flachen und scharfkantigen Zunge 
ist zweimal tief eingekerbt. Einen Faserknorpel in der Zunge konnte 
ich nicht wahrnehmen **). a die Nase. b b Die Augen, c c Die 
Ohröffnungen, d d Die über die Unterlippe überfassenden Seiten- 
theile der Oberlippe, e Die Unterlippe. / Die Zunge. 

Fig. VIII. 
Ein viereckiges Stück vom vordem Theile der Zunge einer er- 
wachsenen persischen Löwin, einmal vergrössert, ein Beispiel 
von hakenförmiger Bewaffnung der Zunge und von sehr langen Ge- 
schmackwärzchen gebend. — Die in acht queren und in vier längs- 
laufenden Reihen erscheinenden Haken sind sehr regelmässig im 
Quincunx gestellt. 



*) Beiläufig bemerke ich hier, dass die sehr bewegliche Spitze der 
Schnauze einen ziemlich grossen in jungen Individuen knorpligen, in 
älteren aber verknöcherten Rüsselknochen enthält. 

**) Bei Manis detradactyla ist der Mund ähnlich gebaut, nur ist die 
hinten breite und flache Zunge vorn, wie bei den Ameisenfressern, rund, 
zugespitzt und nicht eingekerbt; auch konnte ich auf derselben nur 
zwei Papulae vallatae wie beim Ameisenfresser finden. 

IV. 



Fig. IX. 
Ein einzelner Haken mit zwei davor sitzenden Büscheln Ge- 
schmackwärzchen von derselben Zunge, einmal vergrössert. a Die 
Zungenhaut, worauf der Haken aufsitzt, b Der Haken selbst, eine 
bis anderthalb Linien lang, stark nach hinten gekrümmt, mit einer 
breiten, hohlen, den Fleischzapfen umgebenden Grundfläche, mit 
I abgerundeter Spitze, — auf der Seite kantig, und hinterwärts flach 
oder ausgehöhlt. c Zwei Büschel langer weicher getheilter Ge- 
schmackwärzchen, die vor jedem Haken sitzen und durch dessen 
vordere Kante von einander abgesondert werden. 

Fig. X. 

Die Zunge eines erwachsenen Stachelschweines, Histrix 
cristata, in natürlicher Grössfe von oben angesehen; sie ist bestimmt, 
ein Beispiel von vielerlei Geschmackwärzchen und gleichzeitiger bor- 
stiger und schuppenförmiger Bewaffnung der Zunge zu geben *). 
a Der Schlund, b b Der gespaltene Schlundkopf, c c Die beiden 
Hälften des durchschnittenen und auseinandergezogenen Gaumense- 
gels, defgg Die Zunge, e Feine Haare oder Hornspitzen, wel- 
che die ganze obere Fläche der Zunge, die vorderen Ränder, so- 
wie auch die untere Fläche der Zungenspitze dicht bedecken; sie 
sind auf der oberen Fläche der Zunge alle rückwärtsgekehrt, steif, 
konisch und sowohl an ihren Seitenrändern wie an der Spitze viel- 
fach eingekerbt und borstenartig; — die unter der Zungenspitze ste- 
henden sind kürzer und mehr nach vorn gerichtet. Zwischen diesen 
Borsten finden sich hier und da die Geschmackwärzchen, nämlich: 
/ Zwei Papillue vallatae, auf jeder Seite eine; — gg Eine hin- 
tere und eine vordere neben der Zungenrinne gelegene Gruppe mitt- 
lerer oder rundlicher Geschmackwärzchen; ähnliche finden sich auch 
| einzeln an andern Stellen zwischen den Borsten, sowie am Rande 
j der Zungenspitze, des mittleren Zungentheiles und selbst an der un- 
l teren freien Fläche; während der hintere Theil der Ränder jeder- 
J seits, wie bei mehreren Nagern, etliche zwanzig parallel stehender, 
j von oben nach unten gerichteter und tiefer Einschnitte zeigt, hh 
j Die Knochenschuppen vorn auf der Zunge; sie sind mit ihren freien 
j scharfen und einmal oder mehrmal eingekerbten Rändern rückwärts - 
j gekehrt, stehen in queren Reihen, und alternirend; die mittleren 
[ sind die grössten, die vorderen, hinteren und seitlichen sind kleiner 
[ und gehen allmälig in die Borsten über. An zwei Zungen von 
[ erwachsenen Stachelschweinen zähle ich auf jeder Seite zehn Reihen 
| solcher Schuppen, bei einem neugebornen Thiere dieser Art aber 
1 etliche Reihen mehr. 

i 
i 

| Fig. XI. 

Die Zunge von Stenops gracilis mit zwei Unterzungen in na- 
türlicher Grösse und von unten angesehen, a Die Spitze der ei- 
gentlichen Zunge, in ihrer Mitte eine flache Rinne und am Rande 
einzelne grosse Geschmackwärzchen zeigend, b b Die Spitze der 
zweiten Zunge, oder der ersten Unterzunge; sie besteht aus einem 
dünnen aber nach hinten etwas dicker werdenden Blatte, das sich 
jederseits mit seiner scharfen Kante ziemlich weit rückwärts erstreckt 
vorn aber schmäler und abgerundet zuläuft. Hinten sind die Ränder 
dieser Unterzunge ziemlich glatt, nach vorn hingegen sind sie mit 
allmälig immer länger werdenden vorwärts gerichteten und hornarti- 
gen Spitzen besetzt; und es finden sich ähnliche nur kleinere Horn- 
spitzen sogar an der untern Fläche des vorderen Endes dieser Un- 
terzunge. Die obere Fläche derselben zeigt eine schmale vorsprin- 
gende, in eine Rinne der Oberzunge einpassende Kante; — die un- 
tere Fläche aber eine stärkere und fein gezahnte, welche nach vorn 
in die stärkste mittlere Homspitze übergeht, c c Die dritte Zunge 
oder die zweite Unterzunge; sie ist vorn nur etwa eine Linie lang 
und in zwei Spitzen getheilt, ihre scharfen und gezahnten Seiten- 
ränder erstrecken sich weiter rückwärts als bei der vorigen. 



*) Bei Histrix yrehensilis finden sich keine Schuppen, aber viele steife 
rückwärtsgekehrte Borsten, welche auch innerlich in der Backe sitzen. 



■■■■I 



18 



Fig. XII. 
Dasselbe Präparat von der Seite angesehen, um das Verhältniss 
und die Verbindung der drei Zungen besser zu zeigen, a Die 
Zunge, welche überall mit kleinen runden und rauhen Hornplatten, 
welche bei starker Vergrößerung in der Mitte vertieft und am Rande 
mit aufgerichteten steifen Haaren besetzt sind, bedeckt ist; zwischen 
diesen Hornplatten ragen die rundlichen Enden vieler gleichartiger, 
gegen die Spitze der Zunge hin häufiger werdender Geschmack- 
wärzchen hervor, b Die drei grossen, im gleichseitigen Dreieck ste- 
henden Papillae vallatae. c Der Kehlkopf, d Die erste Unter- 
zunge, mit der folgenden, wie mit der Oberzunge durch ein Zun- 
genbändchen verbunden, e Die zweite Unterzunge. / Hautlappen 
und Muskeln unter der Zunge. 

Fig. XIII. 
Die Zunge von Hapale auritus von unten in natürlicher Grösse ; 
sie ist auf ihrer Oberfläche überall mit rückwärtsgekehrten, fast 
schuppenartig übereinanderliegenden und am freien Rande mit vielen 
Haaren besetzten Plättchen bedeckt, wozwischen kleine runde Ge- 
schmackwärzchen zerstreut sind; auf der Zungenwurzel finden sich 
drei Papillae vallatae, von denen die hintere grösste etwas ent- 
fernter, als die beiden vordem von einander, steht, a Die gewöhn- 
liche Zunge mit einer tiefen Rinne, b Die kleine Unterzunge, seit- 
wärts gezähnelt und vorn in zwei Spitzen auslaufend, sie ist durch 
ein Bändchen mit der Oberzunge verbunden, in deren Rinne sie sich 
zum Theil hineinlegen kann. Die feinen Ausführungsgänge der Un- 
terkiefer- und Unterzungen - Drüse öffnen sich in einer Reihe zwi- 
schen beiden Zungen, c Die abgeschnittenen Muskeln unter der 
Zunge. 

Fig. XIV. 
Dasselbe von der Seite angesehen, a Die eigentliche Zunge. 
b Die Unterzunge, c Die Muskeln und Haut unter der Zunge, d 
Der Kehlkopf. 



Fig. XV. 
Die Spitze der Zunge eines männlichen erwachsenen Brüll- 
affen, Mycetes fuscus , von unten angesehen und in natürlicher 
Grösse. Die vom Kehldeckel an gemessene, fast vier Zoll lange 
Zunge ist mit einem bräunlichen dicken Epithelium bekleidet und 
überall mit rückwärtsgekehrten ziemlich steifen Spitzen oder Haaren 
I besetzt ; zwischen letzteren stehen einzelne rundliche Geschmackwärz- 
^ chen, und an der Zungenwurzel drei grosse ungewöhnlich weit von 
l einander entfernte Papillae vallatae in einem ziemlich regelmässi- 
) gen Dreieck. Unter der Zunge sieht man eine Unterzunge, zwei 
I Linien lang, in zwei Spitzen auslaufend und dadurch den Uebergang 
t zu einer Speichelfalte oder Speichelwarze bildend, dass sie schon 
i weicher als bei den vorigen Thieren ist, und zwei Ausführungsgänge 
\ der Unterzungendrüse enthält, während die hinteren Ausführungs- 
) gänge dieser Drüse, so wie die der Unterkieferdrüse, sich mit einer 
) Reihe grosser Mündungen längs den Seitenrändern der Zunge fast 
) bis zur Wurzel hin endigen *). 

j. Fig. XVI. 

| Sie stellt die Zunge eines erwachsenen Ursus longirostris von 

j unten in natürlicher Grösse vor. a a Das vordere Ende der Zunge. 
| 6 b Ein seitlicher Ausschnitt für den ersten Backzahn ; das davor- 
J liegende breitere Stück füllt die Lücke zwischen diesem Zahne und 
( dem Eckzahne aus. c c Lappen der Mundhaut neben der Zunge. 
( ddd Die beiden auseinandergelegten Musculi genioglossi. eeeeee 
( Der an der untern Seite der Zunge gelegene, von fester ZellstofFs- 
haut gebildete, Canal für die Zungensehne; er ist aufgeschnitten und 
auseinandergezogen dargestellt, f ghi Die spiralförmige Zungen- 
sehne, oder der sogenannte Tollwurm, Lyssa, der seinem Gewebe 
nach zu dem elastischen Systeme zu gehören scheint. / Deren vor- 
derer fast faserknorplige Theil. g Das vordere Ende desselben, h 
Die Stelle, wo dies Organ dünner, weicher und sehnenartig wird. 
i Das hintere, zwischen beiden M. genioglossis fadenartig verlau- 
fende Ende. 



Achte und neunte Tafel. 

Der Zweck dieser achten, und der folgenden Tafel ist, durch Abbildungen die in dieser Klasse so sehr 
verschiedenartigen Formen des Magens darzustellen , und mit den einfacheren und niederen anfangend, die 
allmälige in Gestalt und Struktur vollkommener werdende Bildung dieses Organes zu zeigen. Einige Bei- 
spiele von der inneren Beschaffenheit des Darmes und von den so abweichenden Formen der Blinddärme 
machen den Beschluss. 



Erklärung der einzelnen Figuren, 



Fig. I. 
stellt den Magen eines sehr grossen Wallrosses, Trichecus Ros- 
marus in sechsmaliger Verkleinerung vor; er war eingesalzen, wurde 
eingewässert, stark aufgeblasen und so abgebildet; durch senkrechte 
Stellung, längliche Form und geringe Weite erinnert er an die Ma- 
gen vieler Amphibien und Fische. Die Länge seiner Achse beträgt 
ungefähr 3' und 4", — die seines grossen Bogens 4' und 3", die 
des kleinen 2', 8"; der grösste Umfang aber 2', 41". Die Wände 
des Magens sind gleichmässig dick, fleischig und mit einer ziemlich 
drüsenreichen Schleimhaut ausgekleidet, a Die dickwandige und ei- 



ner bedeutenden Erweiterung fähige Speiseröhre ; sie zeigt eine starke 
aus spiralförmigen Fasern gebildete Fleischhaut, und an ihrem Ende 
innerlich einen schmalen vorspringenden Rand, als Abgränzung vom 
Magen, von welchem sie sich übrigens auch durch ein festeres Epi- 
thelium unterscheidet, b Der Magen, welcher in seinem grösseren 
Theile innerlich schwache unregelmässige Falten zeigt. c Eine 
schwache Andeutung von Blindsack, d Das umgebogene und ver- 
engere auch faltenlose Pförtnerende des Magens, e Die ringförmige 
nur wenig vorspringende Pförtnerklappe, f Der Anfang des Zwölf- 
fingerdarmes. 



*) Ein ähnliches Rudiment von Unterzunge fand ich bei allen von mir untersuchten amerikanischen Affen , nämlich bei einem Männchen und einem Weib- 
chen von Mycetes fuscus , bei Ateles Paniscus , «ehr vielen Exemplaren von Cebus eapucinus , robustus u. s. w.. — ferner bei Callithrix sciurea und cuprea 
Spix, bei mehreren Hapale Jachus , und bei drei Exemplaren von H. penicillatus , dann auch bei Midas Rosalia. Von den Affen der alten Welt sähe 
ich sie nur bei Halbaffen, und zwar bei zwei Exemplaren von Lemur Mongoz und bei einem Stenops gracilis, bei welchem letzteren sie am stärksten und 
in meinem Exemplare zugleich doppelt ist; weder bei Semnopithecus leucoprymnus mihi, noch bei den vielen von mir untersuchten Meerkatzen und Pavia- 
nen konnte ich etwas Anderes als eine Speichelwarze oder eine Speichelfalte, wie beim Menschen, finden. 




«MM*« 






19 



Fig. 11. 
Der Magen einer alten männlichen gestreiften Hyäne in 
halber Grösse, als Beispiel eines sehr einfachen der Kugelform sich 
nähernden Magens, und zugleich bestimmt, die grosse Weite des 
Schlundes und Magens bei den Raubthieren zu zeigen, a Die weite 
Speiseröhre, deren oberhalb mehr spiralförmig laufende Muskelfa- 
sern, am untern Ende mehr gerade verlaufen und strahlig in den 
Magen übergehen, b Der obere Magenmund, welcher innerlich die 
Glänze zwischen Speiseröhre und Magen nur sehr schwach andeu- 
tet, c Der obere auffallend kurze Bogen des Magens, d Der kaum 
merkliche Blindsack, e Der umgebogene Pförtnertheil. / Die erste 
Spur einer Abschnürung des Magens in eine linke und rechte Hälfte, 
hier nur durch stärkere Entwicklung der Muskelfasern angedeutet, g 
Der Pförtner, der ziemlich drüsenreich und mit einer ringförmigen 
ziemlich vorspringenden Falte versehen ist. 7t Der Zwölffingerdarm. 

Fig. III. 

ist der Magen eines Vari, Lemur Macaco*), um die Hälfte ver- 
kleinert; er ist geeignet, bei übrigens einfachem Baue eine stärkere 
Entwicklung des Blindsackes und deutlichere Abtheilung des Magens 
in eine linke und rechte Hälfte zu zeigen, a Die Speiseröhre, wel- 
che fast ohne Grenze in den Magen übergeht, b Der Blindsack. 
c Die durch starken Einschnitt des oberen Bogens bezeichnete Gränze 
der beiden Magenhälften, d Der rechte stark umgebogene Magen- 
theil, e Der Pförtner, durch zirkeiförmige, stark vorspringende 
Klappe eben so innerlich wie äusserlich scharf bezeichnet, f Der 
weite, dünne und faltenlose Zwölffingerdarm. 

Fig. IV. 

Der Magen eines neugebornen Bibers, umgekehrt, in na- 
türlicher Grösse; er ist wegen stärkerer, durch eine innere Falte 
vervollkommneter Abtheilung in eine linke und rechte Hälfte, wegen 
einer klappenartigen Einrichtung der Cardia und wegen der vielen, 
an der Einmündung der Speiseröhre gelegenen und an den Drüsen- 
magen der Vögel erimiernden grossen, hier zur Erweichung des 
trockenen Futters bestimmten Drüsen, sehr merkwürdig, a Die Spei- 
seröhre, innerlich mit vier, vorn, hinten und zu beiden Seiten der 
Länge nach herablaufenden und stark vorspringenden Doppelfalten 
bezeichnet, b Die Klappe des obern Magenmundes, aus vier bogen- 
förmigen Abtheilu'ngen bestehend, deren bei Erwachsenen längere 
und zuweilen doppelte Spitzen aufwärts gegen die Schlundfalten ge- 
richtet sind; diese Klappe gränzt das weisse und glatte Epithelium 
der Speiseröhre von der rötheren, dickeren und leichtgefalteten 
Schleimhaut des Magens scharf ab. c c Die linke grössere Magen- 
hälfte, d Die rechte kleinere, umgebogene, gegen den Pförtner hin 
allmälig dicker und muskulöser werdende Magenhälfte, e Eine in die 
Magenhöhle von oben herab weit hineinragende quere Falte, welche 
die beiden Magenabtheilungen scheidet; sie enthält selbst Muskelfa- 
sern, wird aber, wie die starke Umbiegung des rechten Magenthei- 
les, hauptsächlich dadurch gebildet, dass in dem kleinen Bogen des 
Magens starke Muskel- und Sehnen -Fasern verlaufen, welche den 
Pförtner der Cardia nähern; ausserdem findet sich an der vordem 
wie an der hintern Wand des Magens ein durch die Bauchfellhaut 
durchscheinender, beim erwachsenen Biber wohl einen Zoll breiter, 
dicker und glänzender Sehnenstreifen, welcher, vom stark muskulö- 
sen Pförtnerende entspringend, bogenförmig über die Einschnürungs- 
stelle des Magens hinweg läuft, und sich als dickes Muskelband bis 
zur grossen Drüse fortsetzt. Es darf wohl kaum erinnert werden, 
dass die letztere Einrichtung, die sich in dieser Figur nicht angeben 
liess, einige Aehnlichkeit mit den Muskeln der körnerfressenden Vö- 
gel hat. / Die ringförmige, stark vorspringende und drüsenreiche 



I Pförtnerklappe, g Der Darmanfang. h Die grosse und dicke Ma- 

j gendrüse. i Drei grössere, aus mehreren Fächern bestehende Drü- 

) senöffnungen; die Eingänge zu den einzelnen Drüsen liegen schräge 

) und können bei zusammengezogenem Magen durch halbmondförmige 

) Falten verschlossen werden, k k k Drei Gruppen kleinerer Drüsen- 

j Öffnungen. I Zwei durchsichtige und sehr dünne Stellen hart neben 

\ der Drüse; die Magenwand besteht hier nur aus der serösen und 

{ innersten Haut, während die mittleren fehlen. 

! Fig. V. 

| Ein Stück des Magens von einem erwachsenen Biber in 

( natürlicher Grösse; er ist bestimmt, die Verschiedenheiten zwischen 

j dem alten und jungen Thiere in Ansehung des oberen Magenmun- 

J des und der grossen Drüse zu zeigen, a Die abgeschnittene Speise- 

j röhre, b Der obere Magenmund mit den Längsfalten in der Speise- 

j röhre, cccccc Sechs einzelne, zum Theil wieder eingeschnittene 

{ Hautlappen, welche in die Cardia hineinhängen; sie entsprechen den 

5 vier Längsfalten in der Speiseröhre, so dass die vordere und hintere 

I etwas stärkere Falte in zwei solcher Läppchen ausläuft ; vielleicht ist 

l dies jedoch nur individuelle Bildung, so wie die Verschiedenheiten 

t welche d d die grosse Schleimdrüse des Magens in Ansehung deren 

( Oeffnungen von der des Neugebornen zeigt. 

! Fig. VI. 

Der Magen eines jungen langschwänzigen Schuppen- 
( thieres, Manis tetradactyla , in natürlicher Grösse; er zeigt die 
j Abtheilung in eine linke und rechte Hälfte noch deutlicher als der 
jj Bibermagen, insofern der Winkel, den beide Hälften oben bilden 
J noch spitzer, die innere auf dieser Stelle sitzende Falte noch stärker 
J vorspringend, und obenein die innerste Magenhaut in beiden Abthei- 
\ lungen sehr verschieden ist. Sehr ausgezeichnet ist bei den Schup- 
^ penthieren die ungemeine Dicke und Härte des Pförtnertheiles , wel- 
t eher durch die Stärke und Röthe seiner Fleischhaut an den Magen 
f der körnerfressenden Vögel mahnt, a Die Speiseröhre, welche von 
dem Magen durch eine halbmondförmige Falte innerlich scharf ab- 
gegränzt ist. b Die linke dünnhäutige und durchsichtige Magen- 
hälfte, c Die rechte Magenhälfte, welche gegen den Pförtner hin 
immer dicker und dunkler wird, d Der dünnhäutige faltenlose 
Zwölffingerdarm. 



*) Die Abbildung dieses seltenen Thieres bei Büffon ist sehr abwei- 
chend und scheint nach einem Magen, bei welchem das kleine Netz 
abgetrennt worden war, angefertigt zu sein, daher die grössere Länge 
und niedere Umbiegung desselben; auch scheint Büffon's Exemplar 
jünger gewesen zu sein, als das von mir zu Paris untersuchte, wel- 
ches, nach der Grösse zu urtheilen, viel älter gewesen war. 



Fig. VII. 
Zeigt in natürlicher Grösse den Magen eines jungen kurz- 
schwänzigen Schuppenthieres , Manis pentadaetyla ; er 
weicht in Gestalt von dem vorigen etwas ab, was jedoch zufällig 
sein kann, a Die Speiseröhre, b Die linke dünnwandige Magen- 
hälfte im zusammengefallenen Zustande, c Die rechte Magenhälfte 
welche ihrer dicken Wände wegen nicht zusammenfällt, d Der An- 
fang des Darmes, e Eine grosse körnige Drüse, welche an dem 
grossen Bogen beim Anfange der rechten dickeren Magenhälfte ge- 
lagert ist; sie liegt zwischen der hier weggenommenen Muskelhaut 
und der Zellhaut, besteht aus vielen härtlich anzufühlenden rundli- 
chen, wie Hirsekörner grossen , durch Zellgewebe verbundenen Läpp- 
chen, ist länglich rund, etwa 5'" lang, 4'" breit und etwas über 
eine Linie dick; sie öffnet sich nach Innen auf derselben Stelle mit 
einer weiten aber sehr kurzen Mündung. Bei dem freilich jüngeren 
Exemplare von Manis tetradactyla, das mir zu Gebote steht, ist 
diese übrigens an derselben Stelle liegende Drüse kaum halb so gross. 

Fig. VIII. 
Stellt denselben Magen aufgeschnitten und, um ihn glatt aus- 
breiten zu können, an seinem untern Rande zweimal eingekerbt vor; 
es ist diese Zeichnung bestimmt, die merkwürdige innere Einrichtung 
des Magens der Schuppenthiere deutlich zu machen, a Die Spei- 
seröhre, b Die halbmondförmige, fast am obern Magenmunde be- 
findliche Klappe; sie sitzt an der linken Seite der Cardia an, ist 
mit ihrem coneaven Rande nach rechts gewandt, und ist wohl be- 
stimmt, die vielleicht noch lebenden Insekten nicht in den Schlund 
zurückkehren zu lassen, cccc Der linke dünnwandige Magentheil; 

5 * 



n 



20 






er ist mit einem weissen , glatten und glänzenden Membran , der 
Fortsetzung des Epithelii in der Speiseröhre ausgekleidet. d d d 
Die rechte kleinere dickwandige Magenhälfte , welche sich auch durch 
die Beschaffenheit ihrer inneren Haut scharf von der linken abgränzt, 
indem sie mit einer im Weingeiste gelbbräunlich gewordenen dicken 
Schleimhaut ausgekleidet ist, welche überall mit kurzen konischen 
Spitzchen, die grösstentheils Schleimdrüsen zu sein scheinen, besetzt 
ist. Da wo das obere d steht, d. h. am Pförtnerende des oberen 
Magenbogens, zeigt sich eine stark vorspringende länglichrunde, aus 
Zellstoff gebildete Wulst oder ein Höcker, welcher in eine ihm ge- 
genüberstehende, zwischen diesem d und g befindliche Grube *) 
hineinpasst, und den Ausgang aus dem Magen zu schliessen wohl 
im Stande ist. Diese Einrichtung findet sich auch bei Munis te- 
tradactyla. e Eine stark vorspringende quere Falte, welche inner- 
lich gerade an der Stelle ansitzt, wo in der kleinen Curvatur der 
tiefe Einschnitt endigt; sie läuft sowohl an der hintern als vordem 
Magenwand schwächer werdend und sich allmälig verlierend herab, 
und macht oberhalb grade die Glänze zwischen dem weissen glatten 
Epithelium der linken Magenhälfte und zwischen der drüsenreichen 
Schleimhaut in dem Pförtnertheile. ff Die dicke Muskelhaut der 
rechten Magenhälfte, g g Die sie bekleidende hier ebenfalls dicke 
Schleimhaut, h Die Pförtnerklappe, i Der Anfang des Zwölffinger- 
darmes, h Die Mündung der in voriger Figur abgebildeten grossen 
Magendrüse. 

Fig. IX. 

Als Beispiel unverhältnissmässiger Grösse und mehrfacher durch 
Muskelbündel hervorgebrachter Einschnürung und Zellenbildung möge 
der Magen eines seltenen ostindischen Affen, des Semnopilhe- 
cus leucoprymnus mihi **) dienen. Er ist um zwei Dritttheile ver- 
kleinert, und von vorn und unten betrachtet dargestellt worden, a 
Die Speiseröhre, b Die obere und hintere von den vier grossen 
Zellen, in welchen der linke sehr weite Blindsack des Magens ab- 
getheilt ist. c c Die beiden vorderen Zellen des Blindsackes, ddd 
Die rechte, lange, enge und gleich einem Colon in Haustra abge- 
theilte Magenhälfte, e Das etwas muskulösere und deshalb mehr 
dickwandige Pförtnerende, welches durch eine schmale ringförmige 
Klappe vom Darm abgegräuzt wird, f Der faltenlose Zwölffinger- 
darm, g g g Ein starkes Muskelband , welches an dem grossen Bo- 
gen des Magens verläuft und mit einem ähnlichen, welches an der 
kleinen Curvatur sich befindet, hauptsächlich die Einschnürungen 
verursacht. 

Fig. X. 

Der Magen eines halberwachsenen weiblichen Kanguroos, 
Halmaturus giganteus , von vorn, und in natürlicher Lage, aber 
um zwei Dritttheil verkleinert; er soll einen noch höheren Grad der 
schon in der vorigen Figur gezeigten Darmähnlichkeit des Magens 
darstellen, indem an ihm die Länge und Zellenbildung noch stärker, 
der dort noch weite Blindsack hier auch eng, lang und darmähnlich 
ist, und endlich durch Verschiedenheit seiner inneren Auskleidung 
an einzelnen Stellen, und durch starke Drüsenentwicklung ein höhe- 
rer Grad der Ausbildung und ein Uebergang zu noch mannichfalti- 
geren Formen gegeben wird. a Die verhältnissmässig sehr enge 
und muskulöse Speiseröhre, welche sich hinterwärts und sehr niedrig 
in den Magen einsenkt. 6 Der darmähnliche Blindsack, der beim 



*) Ob Whitefield, s. Edinburgh new philos. Journal. Oct. 1829 bis Ja- 
nuar 1830. S. 58., bei Anführung einer kleinen Tasche oder eines 
Sackes in der Nähe des Pförtners beim Pangolin diese Grube, oder 
den Ausführungsgang der von mir gefundenen Drüse gemeint hat, ist 
mir nicht deutlich geworden. 

**) Vergl. die von mir bei Beschreibung dieses Thieres gegebene aus- 
führlichere Schilderung und andere Abbildungen des Magens in den 
Nov. Actis phys. medic. Acad. c. L. C. Nat. Cur. T. XII. P. II. S. 501. 
Tab. XL VI. b. u, XL VII. Die dort von mir aus mancherlei Gründen 
aufgestellte Meinung, dass wohl alle Semnopitheken einen solchen Ma- 
gen haben möchten, scheint sich dadurch zu bestätigen, dass Boie 
es später vom Entellus und Sürili bestimmt angiebt. s. Oken's Isis. 
1828. Heft. X. S. 1027. 



Kanguroo nach rechts und abwärts gewandt ist; er ist, wie der 
ganze Magen, stark zellig und zeigt an seinem untern Ende zwei 
blinde Anhänge, von denen der untere (c) bis zur punktirten Linie 
mit Schleimhaut ausgekleidet und vier grosse, den Peier'schen Drü- 
sen des Darmes ähnliche Gruppen von Schleimdrüsen zeigt; — der 
andere aber (rf), hier in der Verkürzung gesehen, sonst gleich 
grosse, mehr hinterwärts gewandt und, wie der übrige ganze Blind- 
sack, mit einem weissen glatten Epithelium, gleich dem der Spei- 
seröhre , ausgekleidet ist. e e Der niedersteigende Theil des Magens, 
an welchem die Milz anliegt; er ist an seiner inneren nach rechts 
gewandten Seite bis zu der punktirten Linie noch mit weissem glat- 
ten Epithelium überzogen, in seinem grössten linken Theile aber, 
wie die folgenden Theile des Magens, mit drüsenreicher weicher 
und röthlicher Schleimhaut ausgekleidet; die Gränze beider Häute 
wird durch eine in der Gegend der punktirten Linie verlaufendem 
stark vorspringenden und Muskelfasern enthaltenden Falte scharf be- 
zeichnet, ff Der aufsteigende oder rechte Theil des Magens ; ge- 
gen den Pförtner hin wird er minder zellig und noch einmal um- 
gebogen {g). Dieser ganze Theil des Magens, so wie auch schon 
die untere Portion des absteigenden Theiles, enthalten, ausser sehr 
kleinen einzelnen Schleimdrüsen, etliche dreissig grosse Drüsengrup- 
pen, die aber in drei vor mir liegenden Mägen weder so gleichför- 
mig, noch in so bestimmten Reihen gestellt sind, wie Home sie ab- 
bildet, h Der Anfang des Zwölffingerdarmes, i i i i Ein starkes 
Muskelband, welches an der ganzen vorderen Fläche des Magens 
mit Ausnahme des Pförtnerendes verläuft, und kürzer als der Ma- 
gen diesen in Zellen abschnürt; ein ähnliches Muskelband findet sich 
in der Mitte der hinteren Magenwand, der ganzen Länge nach ver- 
laufend, nur geht es an dem Blindsack nicht so weit herab als das 
vordere. Ein drittes Muskelband zeigt sich an der grossen Curva- 
tur des Magens zwischen 1 1 , und ist mithin viel kürzer als die bei- 
den anderen. Aus diesem Grunde hat der Magen nur in der Mitte 
seiner Länge drei Reihen von Zellen, nämlich eine obere und zwei 
untere, an beiden Enden aber nur zwei Zellenreihen, d. h. eine obere 
und eine untere, k Ein Ring von Drüsen, welcher dicht hinter der 
Pförtnerklappe den Anfang des Zwölffingerdarmes umgiebt; es haben 
diese Drüsen einige Aehnlichkeit mit den Meibom'schen in den Au- 
genliedern, m Endlich findet sich im Pförtnerende des Magens 
selbst auch noch eine Drüse, welche ebenfalls einen , v — aber nicht 
vollständigen Ring bildet, welcher unten schmäler ist und seine bei- 
den breiter werdenden Enden nach vorn und hinten emporkrümmt; 
es ist eine körnige Drüse ohne solche grosse Mündungen wie die 
andern Schleimdrüsen des Magens. 

Fig. XL 
Der Magen eines Pecari, Dicotyles torquatus, von vorn und 
unten angesehen; es ist, der Raumersparniss wegen, der eines Fö- 
tus in natürlicher Grösse abgebildet worden, da er mit dem eines 
halberwachsenen Pecari völlig übereinstimmt *). Wie die vorigen 
Figuren unvollkommene Abtheilungen der Magen durch colonartige 
Zellen dargestellt haben, so sieht man in dieser und den beiden fol- 
genden Abbildungen Beispiele von zipfelartigen Anhängen des Ma- 
gens, welche als die erste Spur von zusammengesetzten Magen an- 
gesehen werden können, a Die Speiseröhre, b Die linke Magen- 
hälfte mit drei Anhängen, nämlich zwei zipfelförmigen , dem vor- 
deren (c) und dem hinteren (d), — und einem kleineren, minder 
abgegränzten rundlichen (e). / Die rechte Magenhälfte, g Der 
Zwölffingerdarm. h Eine starke, den Magen in eine linke und 
rechte Hälfte absondernde Einschnürung. Das Epithelium der Spei- 
seröhre setzt sich in den Magen fort und bekleidet ihn als eine 
weisse, glatte und dicke Membran in seinem ganzen mittleren Theile 
bis zu den beiden punktirten Linien hin; linkerseits ist sie durch 



*) Die Abbildung des Pecari -Magen bei Büffon ist etwas abweichend; 
man sieht aber deutlich , dass dieser Magen nicht aufgeblasen , sondern 
namentlich in seinem rechten Theile stellweise zusammengezogen ist; 
wahrscheinlich ist die Zeichnung nach einem frischen , mit Futter ange- 
füllten und durch Muskelwirkung etwas veränderten Magen angefertigt 
worden. 



■9 



21 



eine, zumal an der hintern Wantl weit vorspringende, und dort starke 
Muskelbündel enthaltende Falte scharf von der Schleimhaut abge- 
sondert, welche das äusserste Ende der linken Magenhälfte nebst 
den beiden Zipfeln c und d überzieht und hier überall viele fein 
geschlängelte und stark vorspringende Fältchen bildet. Auch der 
runde Anhang e, obgleich überall von dem dicken und weissen Epi- 
thelium umgeben, ist wie eine Insel darin abgegränzt und mit wei- 
cher röthlicher Schleimhaut überzogen, deren feine Falten fast so 
stark wie die im zweiten Magen der Wiederkäuer hervorragen, aber 
nicht so regelmässige Polygonen bilden. — Die rechte Magenhälfte 
ist von der punktirten Linie auch mit Schleimhaut ausgekleidet, wel- 
che weich und glatt ist, und wie die in der äussersten linken Seite 
einzelne kleine Schleimdrüschen zeigt. — Da, wo sich äusserlich an der 
grossen Curvatur der tiefe Einschnitt zeigt, findet sich innerlich eine 
stark vorspringende Falte, die, an der vorderen und hinteren Ma- 
genwand emporlaufend, sich nach obenhin allmälig verliert. So wird 
denn der Magen des Pecari unvollkommen in drei Theile abgeson- 
dert, in den mittleren mit dickem Epithelium austapezirten , in den 
äussersten linken mit den beiden Zipfeln, und in den rechten oder 
Pförtnertheil , welcher nur mit schwacher ringförmiger Klappe von 
dem Darme abgeschieden ist. 

Fig. XII. 

stellt den Magen des Manatus americanus , nach Home*) um die 
Hälfte verkleinert, vor. a Die Speiseröhre, b Die linke Magen- 
hälfte, c Ein solider Anhang desselben, der eine grosse Drüse ent- 
hält, d Die rechte Magenhälfte, e e Zwei zipfelförmige Anhänge, 
welche sich an der eingeschnürten Stelle zwischen beiden Magen- 
hälften ansetzen; der hintere von ihnen ist der grosseste. 

Fig. XIII. 

Der Magen des surinamischen Faulthieres, Bradypus 
cuculliger. Wagler., von der hinteren Seite, und um zwei Dritt- 
theile verkleinert; er gleicht dem des dreizehigen Faulthieres äusser- 
lich wie innerlich so sehr, dass er auch diesen darstellen kann. 
Durch seine Grösse und seine mannichfaltige innere Abtheilung macht 
er sehr geschickt den Uebergang zu den zusammengesetzten Magen. 
a Die enge und fleischige Speiseröhre. 6 Eine durch Punkte als 
durchscheinend angegebene, von der Cardia zur hintern Magenhälfte 
gehende Rinne, edefg Die vordere, im Verhältniss zur Grösse 
des Thieres auffallend grosse Magenhälfte, welche der linken oder 
Cardia - Partion anderer Thiere gleicht, und wiederum aus fünf ver- 
schiedenen Abtheilungen besteht; nämlich c aus einer oberen rech- 
ten Zelle, welche innerlich durch eine halbmondförmige scharf vor- 
springende Falte abgeschieden wird, von d einem langen und gros- 
sen zipfelförmigen Anhange, der konisch und nach rechts gekrümmt, 
sich um den ganzen untern Rand des Magens herumschlägt, so dass 
er sich mit seiner Spitze, die, um sie besser zu zeigen, etwas her- 
abgebogen ist, an die Zelle g anlegt. Dieser lange Anhang wird 
durch vier dünne blattförmige quere und parallel von einer zur an- 
dern Seite verlaufende Scheidewände in fünf Abtheilungen geschie- 
den, die nicht untereinander communiciren , wohl aber sämmtlich in 
die darüber gelegene Zelle c sich ausmünden. Die Ansatzpunkte die- 
ser Scheidewände zeigen • deutlich , wie die vorderste und hinterste 
Abtheilung die kürzeste, die mittelste aber, welche die Spitze des 
Anhangs bildet, die längste ist. e ist eine andere grosse Zelle der 
vorderen Magenhälfte; sie liegt gerade unter der Einmündung der 
Speiseröhre, und ist vorn viel grösser als in dieser Zeichnung, wo 
man von hinten nur ihren untersten Theil gewahrt. / Die linke 
oberste Zelle, und g die linke grössere und untere Zelle der vor- 
deren Magenhälfte. Alle diese Zellen sind durch halbmondförmige, 
stark vorspringende und Muskelbündel enthaltende Falten von einan- 
der unvollkommen abgegränzt, und enthalten in sich selbst noch 
wieder hier und da kleinere halbmondförmige Fältchen. Dieser ganze 
Magentheil wird fast überall mit einzelnen starken und isolirten Mus- 



*) S. Philosoph. Transact. 1821. Plate. XXYffl. 

IV. 



kelbündeln, welche auf manchen Stellen mit den Musculi s peet'ma- 
tis des Herzohres viel Aehnlichkeit haben, so umsponnen, dass alle 
einzelnen Zellen des grossen, mit den zerkauten Blättern der Ce- 
cropia peltata angefüllten vorderen Magentheiles einer besonderen 
und starken Zusammenziehung fähig sind. Auch ist dieser vordere 
Magentheil überall mit einem dicken, harten, faltenreichen, im Spi- 
ritus sich leicht lostrennenden, Epithelium ausgekleidet; nur in dem, 
auch gefässreicheren und viele zerstreute Schleimdrüsen zeigenden 
zipfelförmigen Anhange (cZ) ist das Epithelium feiner und weicher. 
h i Die hintere kleinere und gewundene Magenhälfte, welche der 
rechten Abtheilung anderer Magen entspricht, und in der tiefen 
und grossen Aushöhlung, welche die einzelnen Theile der vorderen 
grösseren Magenhälfte bilden, versteckt liegt, h Die erste Abthei- 
lung dieser hinteren Magenhälfte entsteht mit einer Krümmung aus 
dem oberen Theile der Zelle g, und hier endigt sich auch die von 
der Cardia nach links und unten verlaufende Rinne, welche also das 
dazu geeignete Futter aus der Speiseröhre, bei dem ersten Magen 
vorbei, in diesen hinteren führen, oder doch dessen Anfang, ver- 
möge ihrer starken Muskelbündel , der Cardia nähern kann. — Merk- 
würdig ist noch, dass diese Abtheilung h, und an ihrer vorderen 
Seite, wo wohl das Futter vorzüglich herabgleitet, mit einem schma- 
len Streifen dicken und harten Epitheliums überzogen ist, während 
dessen übrige Wandung mit einer weichen röthlichen und sehr drü- 
senreichen Schleimhaut bekleidet ist. i Die letzte Abtheilung der 
hinteren Magenhälfte, von dem Theile h zwar nur durch eine schwa- 
che Einschnürung abgeschieden, aber mehr davon abstechend, durch 
grösseren Umfang, und besonders durch grosse Härte und Dicke, 
weswegen er auch nicht zusammenfällt, wie die anderen Theile des 
Magens. Dies rührt nun davon her, dass erstens seine Fleischhaut, 
aus rötheren und derberen Fasern gewebt, von ungewöhnlicher Dicke 
ist, so dass sie in erwachsenen Exemplaren über eine Linie misst, 
und zweitens, dass dieser Magentheil innerlich mit einem ungewöhn- 
lich dicken, weissen und starkge halteten Hornüberzuge , in welchen 
der ähnliche Streifen der vorigen Abtheilung übergeht, bekleidet 
ist. Man wird bei Betrachtung dieses Theiles unwillkürlich an einen 
Vogelmagen erinnert und kann nicht zweifeln, dass er eine grosse 
Triturationskraft hat. Eine schwache kreisförmige Pförtnerklappe 
trennt den Magen von h dem ungemein dünnhäutigen und faltenlo- 
sen Zwölffingerdarme, dessen Anfang noch ein wenig weiter, als er 

im fernem Verlauf ist , erscheint. 

i 

Fig. XIV. 

soll ein Beispiel von einem wirklich zusammengesetzten Magen ge- 
ben , d. h. von einem Magen , dessen einzelne deutlich gesonderte 
Theile auch eine ganz verschiedene Struktur zeigen und so gelegen 
sind, dass die Speise durch sie der Reihe nach getrieben wird. Es 
stellt die Zeichnung den Magen eines fast erwachsenen Delphins, 
Delphinus Phocaena, um zwei Dritttheile verkleinert, von vorn in 
natürlicher Lage vor. a Die dickhäutige und einer bedeutenden Er- 
weiterung fähige Speiseröhre; sie geht fast ohne Gränze in b den 
ersten grossen Magen über; dieser hat eine konische Gestalt, ist an 
seiner vordem Wand oben durch einen tiefen Einschnitt und eine 
hier gelegene innere weit vorspringende Falte unvollkommen in 
zwei Zellen abgetheilt, — mit einer starken Fleischhaut umkleidet, 
und innerlich mit einer weissen, ziemlich derben, der Schlundhaut 
ähnlichen Haut ausgekleidet, welche im Allgemeinen glatt ist und 
nur oberhalb einige schwache, von der Cardia abwärts verlaufende, 
Falten zeigt. Unter dieser Haut liegen sehr viele aber ungemein 
kleine Schleimdrüsen, deren Oeflnungen sehr deutlich sind, c Der 
Eingang aus dem ersten in den zweiten Magen, innerlich mit einer 
Art Klappe von vielen kurz geschlängelten und sehr langen Falten 
umgeben, d Der zweite Magen, dunkler von Farbe, derb anzufüh- 
len und ungleich von den eingezogenen Ansatzpunkten der inneren 
Falten; er ist unter dein Bauchfellüberzuge mit einer sehr dicken 
und rothen, zu starker Trituration geeigneten Fleischhaut umkleidet; 
dann folgt eine verhältnissmässig dicke Lage von Zellstoff, und hier- 
auf eine diesen Thieren eigene und, soviel ich weiss, türgends in 
einem Thiermagen vorkommende Haut, von der Dicke einer Linie, 

6 



-•" 



von gelblicher Farbe und fasriger Struktur. Sie bildet mit der sehr 
dünnen und von ihr nicht zu trennenden innersten Magenhaut elf 
von oben nach unten verlaufende runde Falten oder Wülste, die 
oben und unten, wo der zweite Magen schmäler ist, es auch sind, 
in der Mitte aber dicker werden, und ziemlich parallel neben einan- 
der liegen. Doch ist ihr Verlauf in so fern nicht ganz regelmässig, 
als einige dieser Wülste sich stellenweise spalten und wieder vereini- 
gen, oder auch einmal durch einen Seitenast mit dem benachbarten 
Wulste sich vereinigen. Jeder Wulst sendet auf beiden Seiten in 
rechten Winkeln quere Aeste ab, welche mit den Seitenästen der 
benachbarten Wulst alternirend in einander eingreifen. Alle diese 
hervorstehenden longitudinellen und queren Wülste stellen eine aus 
zwei Blättern und dazwischenliegendem weichen Zellgewebe ge- 
bildete Falte dar, von grosser Derbheit und ungewöhnlicher Elasti- 
cität, so dass sie den Magen nur wenig ausdehnen lassen und, des- 
sen Höhle zum grössten Theile einnehmend, bei ihrer Derbheit ge- 
wiss zur Zerreibung des ungekauten Futters dienen. Knox *) hält 
diese Fasern für ein elektrisches Organ, was gewiss nicht der Fall 
ist und schon dadurch allein widerlegt wird, dass sowohl die Zweige 
des Nervus vagus als die Gangliennerven weder ungewöhnlich gross 
noch sonst abweichend sind. Ich glaube vielmehr, dass diese son- 
derbare Haut zu dem elastischen Systeme gehört; sie zeigt in der 
That einen hohen Grad der Elasticität und besteht , wie die folgende 
Figur zeigt, aus feinen gelblichen, perpendiculär stehenden, sehnen- 
artigen Fasern, die fast ohne sichtlichen Zwischen - Zellstoff dicht 
an einander gefügt sind und mit ihrem inneren Ende in die kaum 
zu unterscheidende innerste Haut übergehen; letztere sieht daher, 
mit der Loupe betrachtet, fein körnig aus. Ich halte, wie gesagt, 
diesen Magen für ein Triturations - Organ **). e e e Die dritte schon 
darmähnliche, mit einer schwache längliche Falten zeigenden Schleim- 
haut ausgekleidet. / Die Stelle, wo der zweite Magen mit einer engen 
durch starke Falten umgebenen Oeffnung in diesen dritten Magen 
übergeht, an welchem bei Delphinus Delphis das unter dieser Mün- 
dung gelegene blinde Ende durch eine eigne quere Klappe als ein 
eigner Magensack erscheint, g Der blasenartig erweiterte faltenlose 
Anfang des Zwölffingerdarmes, in welchen sich, von hinten her, der 
Gallengang und Wirsingische Kanal einsenken. Es empfangt diese 
Erweiterung des Darmes nicht am Ende, sondern seitwärts die durch 
stark vorspringende Klappe sehr verengte Pförtneröffnung des Ma- 
gens, h Das dünnere Ende des Zwölffingerdarmes, an welchem 
durch punktirte Linien die Ansatzpunkte der sieben stark vorsprin- 
genden longitudinellen Falten, welche auch im übrigen Dünndarme 
verlaufen, angedeutet sind. Besser zeigt diese Falten die Schnittflä- 
che des Darines. 

, Fig. XV. 
Ein Stück der inneren Oberfläche des zweiten Magen vom Del- 
phin in natürlicher Grösse; man sieht drei longitudinelle Wülste mit 
ihren seitlichen ineinandergreifenden Aesten. Am obern Rande ge- 
wahrt man an der Schnittfläche den feinen weiss ausgespaarten kaum 
zu unterscheidenden Durchschnitt der innersten Haut, dann die aus 
senkrechten Fasern gebildete elastische oder sehnichte Haut, hierauf 
die Lage Zellstoff, welche auch zwischen die beiden Blätter der 
Wülste eindringt; endlich nach aussen die Muskelhaut mit dem Pe- 
ritoneal - Ueberzuge. 

Fig. XVI. 

giebt nun zum Schluss eine Vorstellung von einem am meisten zu- 
sammengesetzten Magen, nämlich von dem eines Wiederkäuers. Es 
ist der Magen des Schafes gewählt und in Viertelgrösse so darge- 
stellt worden, dass durch "theilweise Wegnahme der vorderen Wan- 
dung der Mägen, deren verschiedene innere Bildung, und die Ueber- 



gänge des einen in deii andern , sichtlich werden. Die silberne Sonde 
zeigt den Weg an, auf welchem das Futter beim ersten Verschluk- 
ken in den ersten und zweiten Magen gelangt; — die schwarze 
Fischbeinsonde hingegen den Weg, welchen das ruminirte Futter aus 
der Speiseröhre bei dein ersten und zweiten Magen vorbei, in den 
dritten und so weiter in den vierten Magen nimmt, was nach mei- 
nen Vorstellungen und Untersuchungen dadurch geschieht, dass die 
beiden fleischigen Wülste, welche die schmale und flache Rinne (/i) 
bilden, den Eingang des dritten Magens dem Ende der Speiseröhre 
nähern, a Die enge und sehr muskulöse Speiseröhre, bb c d d 
Der erste Magen, der Pansen, Rumen genannt. Er -wird durch 
einen tiefen Einschnitt unten an seinem linken Rande in zwei stumpf 
konische Zipfel abgetheilt, von welchen der obere und vordere klei- 
ner, der hinterwärts gewandte und untere aber grösser ist; ein ähn- 
licher tiefer Einschnitt findet sich oben am rechten Rande des Pan- 
sen, der solchergestalt und noch mehr durch innere stark vorsprin- 
gende muskulöse Falten (e undy) in drei grosse Zellen abgetheilt 
wird , nämlich in die obere grösste (6 6) , in die mittlere (c) , und 
in die unterste (d d) , welche alle drei mit einem hornartigen aber 
weichen, nicht überall gleichmässig mit Spitzchen und blattförmigen 
Anhängen besetzten Epithelium ausgekleidet und somit geeignet sind, 
das rohere Futter zu empfangen, g g Der zweite oder Netzmagen, 
Reticulum, mit seinen rauhen weit vorstehenden und Polygone vor- 
stellenden Falten von Epithelium. h Die mit zwei muskulösen und 
schwieligen Wülsten eingefasste flache und schmale Rinne, welche 
von der Cardia zum dritten Magen führt, i i Der dritte Magen, 
oder Blättermagen, Omasum, mit sechszehn bis siebzehn grossen 
senkrecht stehenden rauhen blattartigen Falten, zwischen denen eine 
gleiche Anzahl kleinerer Blätter alternirend mit jenen stehen. Da 
dieser Magen mehr hinterwärts liegt, so wird er zum Theil von den 
beiden benachbarten Magen verdeckt. 7; Die Oeffnung, welche aus 
dem dritten Magen in den vierten führt. I m Der vierte, oder 
Labmagen, Abomusum oder Ventriculus intestinalis, mit weicher, 
drüsenreicher Schleimhaut ausgekleidet; in seinem oberen weiteren 
Theile zeigt er eine grosse Menge stark vorspringender weicher, Fal- 
ten, welche mit Ausnahme einiger wenigen in der Mitte der Hinter- 
( wand, die gerade verlaufen, alle sich seitlich von hinten nach vorn 
^ und unten herumkrümmen. Der untere engere Theil dieses Magens 



enthält nur kleinere und minder regelmässige Falten, 
nerklappe. o Der Zwölffingerdarm. 



n Die Pfört- 



*) S. Brewters Edinburgh Journal of Science. N. S. No. 6. Juli 1830. 

**) Bei Üelphinus Delphis finde ich dieselbe merkwürdige Einrichtung, nur 
mit dem Unterschiede, dass, da bei ihm der zweite Magen rundlich 
ist, auch die Wülste mehr im Kreise gelegen sind. Home bildet 
dies in den Philos. Transact. 1807- PL IV. recht gut ab, weshalb ich 
es vorzog, den Magen von D. Phocaena darzustellen, von welchem 
es noch, so viel ich weiss, keine so gute Abbildung giebt. 



Fig. XVII. 

Der Magen eines sechs Monate alten Lamas, Auchenia La- 
ma*) um zwei Dritttheile verkleinert; er ist von der Bauchseite aus 
mit etwas aufgehobenem Pansen gezeichnet und bestimmt, die Ver- 
schiedenheit von dem Magen anderer Wiederkäuer und vorzüglich 
die merkwürdige Zellenbildung darzustellen. a Ein hinten vorra- 
gender Theil der Speiseröhre, welche eng, innerlich längsgefaltet 
und sehr fest mit dem Zwerchfelle verbunden ist, in welchem an ih- 
rer rechten Seite ein dicker fast halbmondförmiger, bei dem jungen 
Thiere noch zum Theil knorpliger, Knochen liegt, bbb Der erste 
Magen, oder Pansen, dessen abwärts nach dem Bauche zu gewand- 
ter Theil etwas nach vorn in die Höhe gehoben ist, um die grosse 
Zellengruppe zu zeigen ; er ist an seiner Rückenseite ziemlich gleich- 
massig abgerundet, an seiner Bauchseite aber und hinterwärts durch 
einen tiefen bogenförmigen Einschnitt c in eine vordere zugespitzte 
beuteiförmige, und in eine hintere grössere und besonders breitere 
Abtheilung geschieden. In dem Einschnitte c liegt ein sehr dicker 
Fleischstrang, der an der äussern und innern Fläche, doch an letz- 
terer mehr, hervorragt, am linken Magenende undeutlich beginnt, 
sich anfangs abwärts, dann quer, und mit seinem rechten Ende wie- 
der aufwärts zur Cardia hin krümmt, wo er sich allmälig verliert. 
Der ganzen Pansen ist innerlich mit einer derben glatten und weis- 
sen, der inneren Schlundhaut ähnlichen, Membran ausgekleidet und 
im gefüllten Zustande faltenlos. d stellt die kleinere, an der vor- 



*) Dies seltene Stück verdanke ich der Güte meines lieben Freundes, des 
Herrn Geheimenrathes Lichtenstein. 



um 






deren Abtheilung des Pansen befindliche, Zellengruppe vor; sie ist 
schmal lang, von links und vorn nach hinten und rechts gewandt, 
und an beiden Enden abgerundet; sie besteht aus zwei und zwanzig 
queren Zellenreihen, deren jede meistens aus fünf, bisweilen jedoch 
auch aus vier oder sechs Zellen zusammengesetzt ist ; nur die oberste 
Reihe enthält drei Zellen. Alle diese Zellen, deren ich im Ganzen ein 
hundert und zehn zähle, sind sowohl der Länge als der Quere nach 
durch flachrundliche Fleischbalken von einander abgesondert, eeeff 
Die hintere grössere Zellengruppe, welche am hintern oder untern 
Rande des Pansen, so in der Quere gelagert ist, dass sie sich theils 
an der Bauch-, theils an der Rücken - Fläche des Magens befindet 
und durch eine quere Furche, welche dem Netze als Ansatzlinie 
dient, in eine kleinere vordere (e e e) und in eine grössere hintere 
Abtheilung (//) geschieden ist. Diese Abgränzung ist aber bloss 
äusserlich wahrnehmbar, innerlich jedoch nur durch einige Verschie- 
denheit der Zellen angedeutet. Es besteht nämlich diese grössere 
Zellengruppe, aus vierzehn von vorn nach hinten verlaufenden durch 
quere Fleischbündel von einander geschiedene Reihen von rundlichen 
Zellen, auf welche aber nach links zu noch einige grössere allmälig 
flacher werdende Gruben folgen. Jede dieser vierzehn Zellenreihen 
ist von den benachbarten durch einen flachrundlichen starken Fleisch- 
balken getrennt, und in der hintern Abtheilung (//). der Länge nach 
noch einmal durch einen feineren Fleischbalken in Paarweise gestellte 
Zellen geschieden; nur das hintere Ende jeder Zellenreihe zeigt eine 
einfache Zelle, und zuweilen finden sich auch hier und da statt ei- 
ner grösseren seitlichen Zelle wohl zwei kleinere. Die Anzahl der 
einfachen und doppelten Zellen in jeder Reihe ist sehr verschieden; 
wenn man von links nach rechts zu zählt, so enthält die erste Reihe 
deren drei, — die zweite fünf, — die dritte sechs, — die vierte 
und fünfte acht, — die sechste, siebente und achte neun, — die 
neunte zehn, — die zehnte elf, — die elfte zehn, — die zwölfte 
neun, — die dreizehnte acht, und die vierzehnte, am rechten Ende 
gelegene, fünf einfache Zellen, oder Zellenpaare. Im Ganzen be- 
steht daher diese grössere Zellengruppe aus hundert und etlichen 
achtzig einzelnen Zellen. Alle diese Zellen, so sehr sie auch unter 
sich und in den beiden Gruppen an Tiefe und Weite verschieden 
sind, gleichen sich doch darin, dass sie nicht mit dem weissen Epi- 
thelium des übrigen Pansen, sondern mit einer feinen weichen gefäss- 
und drüsenreichen Haut ausgekleidet, grösstentheils durch halbmond- 
förmige Falten, die von ihrem Grunde aus mehr oder weniger her- 
vorspringen, wiederum unvollkommen abgetheilt, und alle durch ei- 
nen scharf vorspringenden Rand an ihrem Eingange viel enger, als 
in ihrer Höhle, — daher auch bei Verkürzung der sie umgebenden 
starken in der Länge und Quere verlaufenden Fleischbündel leicht ver- 
schliessbar sind. Ja mehrere derselben haben ihre OefFnung so schräg- 
gestellt, und von einer halbmondförmigen Klappe so zugedeckt, dass 
sie nur als ausleerend, nicht aber als aufnehmend betrachtet werden 
müssen *). g Der zweite Magen oder die Haube , von länglichrun- 
der Gestalt, durch eine sehr weite Mündung (h) mit dem Pansen, 
und durch eine enge Oeffnung mit dem dritten Magen in Verbin- 
dung stehend; obgleich äusserlich glatt, lässt er doch die Ansätze 
der inneren Zellenwände durchscheinen. An seinem oberen Rande 
verläuft wie bei anderen Wiederkäuern der Halbkanal oder die Rinne 
(von i zu i durch eine Punktreihe angedeutet), welche den Eingang 
des dritten Magens der Cardia zu nähern bestimmt, und daher sehr 
fleischig ist. Innerlich ist dieser Magen sowohl an der vorderen als 
hinteren Wand in der Nähe der Rinne ziemlich glatt, in seinem 
übrigen Theile aber mit unregelmässigen Gruben oder offenen Zellen 
besetzt, welche nach dem convexen Rande dieses Magens zu allmä- 
lig stärker werden, und durch sechs bis sieben von der kleinen nach 
der grossen Magenkrümmung verlaufenden stark und hervorragenden 
Fleischbalken in Gruppen abgesondert sind, die durch kleinere quere 



*) Home meint, dass das Futter nicht in diese Zellen eindringe; dies 
mag jedoch zuweilen oder nacli dem Tode doch wirklich geschehen, 
denn ich fand nicht bloss die getrunkene Milch, sondern auch Hafer- 
körner darin, und vermuthe, dass sich in diesen Zellen auch die be- 
kannten occidentalischen Bezoare so bilden mögen , dass zufällig in die 
Zellen gekommene, dazu geeignete Theile ihres Futters, darin incru- 
stirt weiden. 



und längslaufende Fleischbalken wiederum in die einzelnen Zellen 
abgetheilt werden. Letztere sind mit weicherer und gefässreicherer 
Haut ausgekleidet als der obere Theil dieses Magens, und wie die 
am Pansen mit einer dünnen Schicht sehr feinkörniger Drüsen um- 
geben, k k l Der dritte Magen, welcher zwar in seiner Gestalt mehr 
dem Labmagen als dem Psalter der übrigen Wiederkäuer gleicht, aber 
wenn auch durch keine äussere Glänze abgetheilt, doch durch seine 
innere Struktur, den beiden letzten Magen anderer wiederkäuender 
Thiere zu entsprechen scheint. Er ist sehr lang, am Eingange eng, 
dann sich erweiternd, ungefähr in der Mitte wieder etwas enger, 
dann abermals anschwellend, gegen das Ende hin stark umgebogen 
und in eine rundliche Zelle erweitert, endlich kurz vor der Pfört- 
nerklappe wieder eng. Innerlich zeigt er oben an dem concaven 
Rande und nahe am Eingange eine Stelle, wo viele ziemlich stark 
vorspringende, unregelmässig geschlängelte und durch quere Aeste 
mit einander verbundene Falten und sehr zahlreiche kleine Drüsen 
dicht bei einander stehen; — ausserdem aber ist er noch überall mit 
vielen sehr feinen und nur wenig vorspringenden parallelen, hier 
durch Punkte angedeuteten, Längsfalten bezeichnet, deren ich etwa 
dreissig zähle. Seine innerste Haut ist wie die des ersten und zwei- 
ten Magens weiss, derb, drüsenlos und deutlich aus Epithelium 
besteheud; — seine Fleischhaut aber besteht vorzüglich aus sehr 
starken und in queren Bündeln geordneten Zirkelfasern mit we- 
nigen feinen längslaufenden verrnischt; es kann aber die Verkür- 
zung dieses Magens dadurch kräftiger geschehen, dass an sei- 
nem concaven Rande, grade da, wo die beiden oben und unten 
anastomosirenden Arterien verlaufen, zwei stärkere Muskelbündel pa- 
rallel herablaufen. Von dieser eben geschilderten Einrichtung des 
dritten Magens, der so weit deutlich dem Psalter entspricht, weicht 
das umgebogene, mit l bezeichnete Endstück wesentlich ab, und 
gleicht mehr dem Labmagen anderer Wiederkäuer. Es sind hier 
nämlich die Magenwände im Allgemeinen etwas dicker und daher in 
der Abbildung dunkler gehalten; — die Fleischhaut zeigt nicht mehr 
die starken gesonderten Querbündel, sondern ist gleichmässig aus 
zirkeiförmigen, schiefen und längslaufenden Fasern zusammengesetzt 
und an der vordem wie hinteren Seite mit einem weissen glänzen- 
den Sehnenstreifen versehen, der bogenförmig um die blasenartige 
Zelle hernm zum Pförtner verläuft. Die innerste Haut endlich ver- 
wandelt sich an der Umbiegungsstelle aus weissem Epithelium allmä- 
lig in eine röthliche weiche, drüsen- und gefässreiche Schleimhaut, 
die statt der regelmässigen Längsfalten im übrigen Theile dieses 
dritten Magens, unregelmässige und sanft geschlängelte Falten zeigt. 
Diese Beschaffenheit erinnert sehr lebhaft an den Labmagen der 
Wiederkäuer, und es bedürfte nur einer grösseren Kürze des oberen 
Theiles und einer schärferen äusseren, wie inneren Abgränzung des 
Endstückes, um den Magen des Lamas mit dem der anderen wie- 
derkäuenden Thiere übereinstimmend zu machen, m bezeichnet den 
Pförtner, welcher durch eine stark vorspringende Cförmige Klappe 
deren an der kleinen Krümmung gelegene Lücke durch einen dicken 
Wulst vervollständigt wird. n stellt den Anfang des Zwölffinger- 
darmes dar. Endlich sind in dieser Figur noch die Verzweigungen 
der Magenarterien dargestellt. Die obere Kranzarterie ist wie bei 
anderen Wiederkäuern der grosseste Zweig der Baucharterie und ver- 
sorgt die Rücken- wie die Bauchseite des Magens fast ganz allein, 
so dass die Zweige aus der Leber- und Milzarterie nur klein sind. 
Das Interessanteste aber ist die hauptsächlichste Vertheilung der lin- 
ken Kranzarterie an die beiden Zellengruppen des ersten Magens, 
wo sie, alle Abtheilungen und einzelnen Zellen mit Kränzen umge- 
bend , ein sehr schönes Arteriennetz bildet ; es würde dies allein 
schon vermuthen lassen, dass diese Zellen nicht zur Aufbewahrung 
des getrunkenen Wassers dienen , sondern im Gegentheile eine Flüs- 
sigkeit absondern sollen; in Verbindung jedoch mit der oben beschrie- 
benen Einrichtung der Zellen, vorzüglich aber mit ihrem Drüsenap- 
parate zeigt diese Arterienverzweigung unwiderleglich, dass die Zel- 
lengruppen am ersten Magen der kameelartigen Thiere absondernde 
Organe zur Erweichung ihres meist trockenen Futters, dass sie eine 
Art von grosser Crypta agminata, und gleichsam nur eine weitere 
Fortbildung der bei der grossen Haselmaus, dem Biber und dem 
Wombat am Magen vorkommenden Drüsen sind. 

6 * 



— » 



Fig. XXII. 
Die zwei kleinen haubenförmigen Blinddärmchen eines erwachse- 



24 — 

Fig. XVIII. \ scheint hier beim Manatus americanus *) der an seinem Ursprünge 

Da bei Gelegenheit der Abbildungen vom Magen auch schon j einfache Blinddarm an seinem Ende gespalten, a Der Dünndarm. 

mehrmals der Anfang des Darmkanales dargestellt wurde, so sind J bb Die beiden fingerförmigen Zipfel des Blinddarmes, cc Zwei 

schon in Obigem mehrere Beispiele von grosser Einfachheit der in- J symmetrische grosse Zellen am Anfange des Colon, d Eine dritte 

neren Darmfläche, und namentlich von völliger Faltenlosigkeit der- j Zelle desselben, e Das weiter fortlaufende Colon. 

selben gegeben worden. Was nun die bei Säugethieren im Darme j 

vorkommenden Falten anlangt, so ist es bekannt, dass solche regel- l 

massige Querfalten, wie sie beim Menschen im Dünndarme vorkom- ( 

uiassg ^ , i ^ n zweizehigen Ameisenfressers in natürlicher Urosse. a 

men. fast allen Säueethieren in diesem Theile mangeln; so bedarf \ , . . .,,,...• vi „„ *,„„ ,i om 

' ™ 6 ( Der Dünndarm, der durch eine kleine zirkeiförmige Klappe von dem 

Dickdarme abgesondert ist. b b Die beiden Blinddärmchen, welche 
ziemlich drüsenreich und mit enger Oefihung in den Dickdarm ein- 
gemündet sind, c Der Dickdarm. 

Fig. XXIII. 
Eine andre Form von Duplicität des Blinddarmes findet sich bei 

. den Geschlechtern Lepus und Lagomys, in so fern sie einen un- 

die grösseren, welche in allen Bichtungen von der Darmwand sich ) gemein langen und zelligen Blinddarm, daneben aber noch einen 

erheben, ragen oft länger als ein halber Zoll in die Höhle des Dar- / der wohl selbst zwei kleinere Blinddärmchen besitzen, die in den 

mes hinein und tragen zum Theil an ihren beiden Flächen kleinere f verschiedenen Arten von sehr abweichender Länge sind, zur Abson- 

Fältchen, von welchen denn alle Zwischenräume zwischen den gros- ) derung einer schleimigen Flüssigkeit bestimmt zu seyn scheinen und 

sen Falten ausgefüllt werden. Eigentliche freie Darmzotten giebt es ) deshalb ungemein drüsenreich sind. Eine Abbildung dieser Theile 

nicht, doch besteht die Schleimhaut des Darmes aus einer ziemlich ) TO n Lagomys pusillus, nach Pallas **) möge dies und zugleich 

glatten schwammigen Masse, welche statt der Zotten zahllose dicht j manche andre Merkwürdigkeiten des Darmkanales zeigen. a Der 

aneinander stehende punktförmige Löcher oder Grübchen zeigt, die i Dünndarm, b Ein Divertikel, welches vielleicht aber auch bei die- 

zu fein sind, um hier dargestellt werden zu können. Gleichzeitig l sem Thiere nur zufällig, wie nicht selten beim Menschen und andern 

möge diese Abbildung ein Beispiel von Beichthum des Darmkanales i Säugethieren als wahrscheinliches Ueberbleibsel des Nabelblasengan- 

an Schleimdrüsen geben , die hier fast überall bald einzeln vorkom- i g es , sich erhalten hat. ccc Der sehr lange, zeitige und dünnhäutige 

men, bald in grössern Gruppen, als sogenannte Peyersche Drüsen J Blinddarm, d Das dickwandige und drüsenreiche Ende desselben, 

zusammengestellt sind. Weiter unten im Dünndarm verlieren sich i d* Das kleine drüsenreiche und daher dickwandige Blinddärmchen- 

aber sowohl die Drüsen als die Falten immer mehr, und das Ende J e Der erste, gleich dem Blinddarme, mit grossen Zellen versehene 

( Theil des Dickdarmes. / Die dann folgende, scharf abgesetzte, 

j glatte, sich verengernde Stelle dieses Darmes, g Eine aus drei Bei- 

{ hen Zellen gebildete Stelle des Colon, h Eine zellenlose Stelle des- 



es denn nur Abbildungen von zwei anderen Formen von Darmfalten, 
nämlich von longitudinellen , und von unregelmässigen oder geschlän- 
gelten ; erstere sind aus dem Delphin in der Fig. XIV. schon gege- 
ben worden; — letztere mögen durch diese Figur deutlich gemacht 
werden. Sie stellt ein Stück der inneren Fläche des oberen Thei- 
les vom Dünndarme des asiatischen Elephanten dar, wie sie 
unter Wasser sich darstellt. Der Faltenreichthum ist sehr bedeutend; 



des Krummdarmes ist beim Elephanten fast ganz glatt. 

Fig. XIX. 
Der einfache und gerade Blinddarm der grönländischen j 
B o b b e , als Beispiel der einfachsten Art ; er ist viel enger als der j 
Dickdarm, faltenlos, und auch nicht viel drüsenreicher als der übrige j 
Theil des dicken Darmes. Die Gränze zwischen dem dünnen und ( 
dicken Darme ist nur durch eine leichte Einschnürung und sehr J 
schwache innere ringförmige Falte angedeutet, a Der Dünndarm. 
b Der Dickdarm, c Der Blinddarm. 

Fig. XX 
stellt den Blinddarm eines erwachsenen Brüllaffen, Mycetes fuscus, 
dar, um zwei Dritttheile verkleinert; er ist gerade das Gegentheil 
von dem Vorigen und durch eine für diese Ordnung von Säugethie- 
ren sehr bedeutende Grösse ausgezeichnet *). Seine Geräumigkeit 
übertrifft die des Magens noch um etwas, indem er bei seinem Ur- 
sprünge 31 " im Durchmesser, und, an der convexen Seite gemessen, 
eine Länge von 9£" hat. — Eine starke Bauhinische Klappe mit spalt- 
förmiger Oeffnung gränzt den dünnen vom dicken Darme ab und setzt 
sich in eine sehr hervorragende Klappe fort, welche auch den Blind- 
darm vom Colon sondert. Der Blinddarm zeigt , wenn man ihn öffnet, 
viele starke Valvulae conniventes, welche fast ganze Biiige bilden 
und nach der Spitze zu allmälig schwächer werden. Zwischen ih- 
nen finden sich zerstreut einzelne Schleimdrüsen, a Das Ende des 
Krummdarmes, b Der weite Anfang des Blinddarmes , der hier mit 
kurzen Zipfeln neben den grossen Zellen des Colon vorspringt, i 
Das umgekrümmte Ende des Blinddarmes in starker Verkürzung ge- 
zeichnet, d Eine grosse Erweiterung, oder Zelle, vorn am Anfange 
des Colon; sie enthält auch noch stärkere Falten als der übrige Theil 
des Dickdarmes, e Eine ähnliche hintere, die jedoch kleiner und min- 
der scharf abgegränzt ist. fg Das eigentliche Colon, hier konisch 
zulaufend , dann aber später von gleicher Weite wie bei g verbleibend. 

Fig. XXI. 
Als erster Anfang beginnender Duplicität des Blinddarmes er- 



selben. i Eine neue mit einer Beihe von Zellen versehene Stelle. 
k Der nunmehr glatt zu Ende laufende Dickdarm. 

Fig. XXIV. 
Der sehr ähnliche Blinddarm von Lagomys Ogotonna mit drei 
Blinddärmen, einem langen und zwei kleinen; nach Pallas ***) 
aber um die Hälfte verkleinert, a Der Dünndarm, dessen Ende sich 
bedeutend erweitert, b bb Der grosse , dünnhäutige und grosszellige 
Blinddarm, mit c dem drüsenreichen wurmförmigen Ende, d Das 
kleinste Blinddärmchen, e Das dritte und der Grösse nach mittlere 
Blinddärmchen; beide kleinere Blinddärmchen gleichen ihrer Struktur 
nach dem Ende (c) des grössten Blinddarmes, f Das grosszellige, dem 
langen Blinddarme noch ähnliche Stück des Dünndarmes, g Ein darauf 
folgendes enges und glattes Stück desselben, h Eine erweiterte, aus drei 
Beihen von Zellen gebildete Stelle, i Der weitere Verlauf des Dickdarmes. 

Fig. XXV. 
Den Beschluss dieser Beihe möge die Abbildung eines merkwür- 
digen Theiles des Darmkanales vom Dam an, Hyrax capensis, ma- 
chen, welches Thier ausser dem grossen und an seinem Ende einge- 
kerbten und zweizeiligen Blinddärme, noch weiter abwärts am Dick- 
darme, hinter einer stark gewundenen Stelle desselben eine bedeutende 
Erweiterung zeigt, welche sich nach oben in zwei lange konische Blind- 
därme fortsetzt, nach unten zu aber sich schnell verengert. Die Ab- 
bildung ist nach Pallas f) gefertigt, aber grösserer Deutlichkeit we- 
gen mehr ausgeführt worden. u b Der obere Theil des Colon , der 
sich mit dem Ende a in die erw eiterte Stelle , oder untere Abtheilung 
des Colon einmündet, c c Die beiden sonderbaren Blinddärme, welche 
d d in ein Paar Spitzen sich endigen, e Die erweiterte Stelle des 
Colon, die nach dem After zu sich schnell verengert und bis zu dem- 
selben verhältnissmässig eng sich fortsetzt. » 



*) Dies ist nicht etwa zufällig, sondern natürlich, wie ich aus zwei im 
Weingeist sehr wohl erhaltenen Thieren dieser Art, einem Männchen 
und einem Weibchen, ersehe. 



*) In halber Grösse nach Home. s. Philos. Transact. 1821. PI. XXIX. 
**) Novae species Quadrupedum e Glirium Ordine. Erlangae 1778. Tab. 

IV. B. Fig. VII. 
***) A. a. 0. Fig. XIV. 
t) Spicilegia zoologica. Fase. II. Tab. III. f. 7. 



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